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Die Musik zur Nicolae-Saga
In Teil 1 dieser Blogserie hatte ich Ihnen von der Entstehung des Soundtracks zur Nicolae-Saga erzählt.
Konkret wurde das Projekt bereits 2015, nachdem ich Band 4 der Nicolae-Saga "Abseits der Pfade" veröffentlicht hatte. Etliche Lesungen lagen hinter uns, zu denen Maximilian mich am Piano begleitet hatte. Seine Kompositionen griffen die Atmosphäre der gelesenen Szene auf und deuteten auf das Kommende hin. So entstanden perfekte Überleitungen, die die Gesamtatmosphäre der Nicolae-Saga widerspiegelten.
Die Musik des Soundtracks
Im Tonstudio wurden die verschiedenen musikalischen Themen in 2-jähriger Arbeit zu einem fulminanten Orchesterwerk umgewandelt - mit großem Symphonieorchester und selbst eingespielten Instrumenten wie Klavier, Harfe, Gitarre oder Akkordeon.
Da sich Maximilian stark an den historischen und geografischen Schauplätzen der Nicolae-Saga orientierte, kamen unter anderem auch die irische Tin Whistle, das rumänische Zymbal und die türkische Saz zum Einsatz. Letztere klingt ähnlich der rumänischen Cobza, beides sind Langhalslauten. Auch mittelalterliche Instrumente wie Drehleier und Dudelsack sind im Soundtrack zu hören.
Nicht zu vergessen die Stimme als Instrument. Es gibt eingesprochene kurze Texte, chorale Gesänge, Beschwörungsformeln. Und sogar - wie im Beitrag zur Entstehung des Soundtracks bereits erwähnt - dem Brunftschrei eines Hirsches.
Als Soundeffekte hat Maximilian das Klirren von Schwertern, Knistern von Feuer sowie Hufschlag und Wiehern von Pferden in die Stücke mit eingearbeitet. So wird die Handlung konkret hörbar, wie wir es von Hörspielen kennen.
Das 45-minütige Musikprogramm - bestehend aus 21 Stücken - zeichnet die Handlung von Band 1 der Nicolae-Saga "Zwischen den Welten" nach.
Besuch in Maximilians Tonstudio
Hier sehen Sie Teil 6 vom "Making of" des Soundtracks. Maximilian führt uns in sein Tonstudio und zeigt uns das Einspielen von Instrumenten wie Harfe, Gitarre oder Akkordeon. Zum Schluss geht es an unser altes Klavier für eine Walzermelodie.
Der Walzer
Im 19. Jahrhundert, der Handlungszeit der Nicolae-Saga, tanzt ganz Europa im Dreivierteltakt. Die Johann-Strauss-Walzer treten ihren Siegeszug an. Sie dürfen auf keinem Tanzvergnügen fehlen. Auch die Polka erfreut sich großer Beliebtheit in den Ballsälen. Diese Rhythmen fließen daher in den Soundtrack mit ein.
Walzer Nr. 1 trägt den Titel "Der Randon'sche Ball". Handlungsort ist ein Herrenhaus in England. Wenn man genau hinhört, wird die schwungvolle Melodie von romantischen Klängen abgelöst. Unter diese mischt sich nach und nach ein düsterer Ton, der sich zum Ende hin immer weiter verstärkt. Etwas Fremdes schleicht sich ein und weicht der bisher verträumten Stimmung.
Auch ohne das Buch gelesen zu haben oder die Handlung zu kennen, wird dem Hörer klar, dass es ab hier in der Geschichte einen Bruch gibt und etwas Bedrohliches sich Raum verschafft.
Im Walzer Nr. 2 mit dem Titel "Die Reise auf dem Kontinent" wird das bekannte Walzerthema erneut aufgegriffen. Doch jetzt kommt es mit der festlichen Wucht von Bläsern daher und unterstreicht den kolossalen Szenenwechsel. Statt auf dem Parkett eines englischen Landhauses befinden wir uns nun in den herrschaftlichen Ballräumen eines ungarischen Schlosses am Balaton, in dem die gekrönten Häupter Europas zusammenkommen.
Orientalische und mittelalterliche Klänge
Der Handlungsspielraum öffnet sich nach allen Seiten hin. Grenzen zerfließen und laden dazu ein, verborgenen Welten zu erkunden. Dem wird in den darauffolgenden Musikstücken Rechnung getragen.
Klanglich wie literarisch betreten wir sowohl die Welt des Orients als auch die des Mittelalters, in der Kelten und Daker die Macht ihrer Naturgötter beschwören und unser Wissen infrage stellen.
Beide Welten betritt Nicolae in seinen Träumen während einer Reise auf dem Kontinent, genauer: in einem mittelalterlichen Schloss in Rumänien - nicht ahnend, dass sie ihm die Geschichte seiner Vorfahren erzählen. Gefesselt von den geschauten Bildern spürt er, dass in diesem ihm fremden Land seine Wurzeln liegen.
Auch seine Mutter Rebecca kann sich der fremden Macht, die sie umgibt, kaum entziehen. Wie gebannt betreten beide unbekannte Gefilde.
Nach dieser Reise ist nichts mehr wie es einmal war. Ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt. Doch mit den gewonnenen Erkenntnissen steigt auch die Gefahr, in der sich Mutter und Sohn befinden.
meine Lieblingstitel
In dem anschließenen Video spreche ich über meine Lieblingsstücke des Soundtracks.
"Tabak und Lavendel", "Die Jagd nach dem Dschinn" und "Das Siebengestirn" hatte ich Ihnen schon in Teil 1 dieser Serie kurz vorgestellt. Im Video erzähle ich Ihnen davon, während Sie im Hintergrund die entsprechende Musik hören.
"Tabak und Lavendel" ist das Thema von Grandpa Patty und Granny Bridget, den aus Irland stammenden Urgroßeltern Nicolaes. Wenn ich die Leitmelodie höre, wird mir jedes Mal ganz warm ums Herz und ich sehe die beiden alten Leutchen vor mir. Der Titel beschreibt die Düfte, die ihnen anhängen.
"Das Siebengestirn" setzt eine sehr mystische Episode musikalisch in Szene. Darin wird der keltische Gott Cernunnos herbeigerufen. Ein Dialog zwischen Himmel und Erde entsteht. Wir hören quasi, wie der Waldgott mit seinem imposanten Geweih dem Feuer entsteigt. Drehleier, archaische Gesänge, das Knistern von Feuer und zuletzt der Brunftschrei eines Hirsches lassen einen sanft erschauern.
"Die Jagd nach dem Dschinn" ist einer Traumsequenz entnommen. Als Nicolae erstmalig nach Rumänien kommt und damit auf der Schwelle zum Orient steht, wird er eines Abends in die Welt von Tausendundeiner Nacht entführt. Eine sinnliche wie abenteuerliche Jagd nach dem Geist aus der Flasche beginnt und endet in einem Kampf um denselben. Orientalische Klänge, Säbelrasseln und das Wiehern von Pferden lassen spannungsgeladene Bilder entstehen.
Und auch der weiter oben in diesem Beitrag angeführte Walzer wird Ihnen im Video zu Gehör gebracht. So bekommen Sie eine genaue Vorstellung davon, wie sehr die Musik einzelne Szenen aufgreift und die Stimmung auf den Zuhörer überträgt.
Folgende Titel des Soundtracks werden mit näheren Erläuterungen von mir kurz eingespielt:
- Nr. 3 "Kent 1860"
- Nr. 4 "Der Randon'sche Ball"
- Nr. 11 "Das Karpatenschloss"
- Nr. 12 "In der Rüstungskammer"
- Nr. 13 "Die Jagd nach dem Dschinn"
- Nr. 14 "Das Siebengestirn"
- Nr. 16 "Tabak und Lavendel"
- Nr. 17 "Das Fresko in der Krypta"
Traum und Wirklichkeit
Traum und Wirklichkeit. Genau darum geht es in Band 1 der Nicolae-Saga. Nicht umsonst heißt der Band "Zwischen den Welten". Denn in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Handlung. Dieses umfasst nicht nur den Kontrast zwischen der nordwestlichen Welt Europas (hier England) und der südöstlichen (dort Rumänien), sondern auch den der realen und der spirituellen Welt.
Ich habe gelernt, dass das eine das andere nicht ausschließt. Die Gegensätze umschließen einander und werden erst so zu einer Einheit, die das ganze Spektrum an Lebenserfahrung beinhaltet.
Es war unsere Absicht, dieses nicht nur zwischen den Zeilen zu vermitteln, sondern auch klanglich.
Wir sind der Meinung, dass wir dieses Ziel erreicht haben. Was meinen Sie? Schreiben Sie es mir gerne.
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