In meiner neuen Blogserie "Vorgestellt" stelle ich in loser Reihenfolge Künstler vor, die ich durch meine Autorenarbeit kennen- und schätzen gelernt habe.
Heute: Karin Müller, Gewürzspezialistin und Romanautorin
Gewürzspezialistin und Autorin Karin Müller
Karin ist ein Tausendsassa. Selten habe ich eine so vielseitige und bodenständige Autorin getroffen.
Die nötige Inspiration zu ihren Büchern findet sie in der Natur und macht sie zu ihren Protagonisten. Kaum ein Tag vergeht, an dem sie nicht durch Wald und Flur ihrer schwäbischen Heimat wandert und die Wunder der Natur auf sich wirken lässt.
Aber auch sieben Romane - romantische Geschichten voller Lokalkolorit und prallem Familienleben - sowie ein Kinderbuch (das zweite ist leider vergriffen) gehören zu ihrem Repertoire.
An erster Stelle jedoch kommen Gewürze. Dazu reist sie in deren Herkunftsländer wie Vietnam oder Madagaskar und recherchiert zu Geschichte, Anbau und Verwendung.
Aktuell hat Karin Müller den wundervollen Bildband "Karins Lieblingsgewürze" herausgebracht - Augenweide und Gaumenkitzler zugleich. (Dazu später mehr.)
Einen kleinen Einblick über Safran, Vanille, Zimt & Co. bekommen Sie bereits auf ihrer Website.
Refugium Österreichische Alpen
Auch kleine Werke über die Pflanzenwelt der österreichischen Alpen finden sich unter ihren Sachbüchern. Dort, in einer kleinen Hütte in Kärnten, hat sie nämlich ihren Sehnsuchtsort gefunden.
Die Büchlein tragen so poetische Titel wie "Pinus Cembra - die Königin der Alpen" oder "Larix decidua - das Farbenspiel der Lärche".
Viel Wissens- und Staunenswertes enthalten diese liebevoll illustrierten Bände. Nach der Lektüre möchte man sich am liebsten sofort auf die Suche nach ihren Titelhelden der Flora begeben.
Da Karin sich im Laufe ihrer mehrjährigen Recherche so viel Wissen über Gewürze und Pflanzen angeeignet hat, hält sie mehrfach im Jahr Vorträge zu ihren Lieblingsthemen.
Auf Ihrer Website erhalten Sie einen Eindruck, mit welch poetischen Worten sie die Wirkungsweise der alpinen Pflanzenwelt beschreibt.
Wie wir uns kennenlernten
Kennengelernt haben wir uns auf der BuchBerlin 2018. Es war bereits das zweite Mal, dass ich auf der Berliner Buchmesse mit einem eigenen Bücherstand vertreten war. Im Jahr zuvor verlief die Messe recht erfolgreich, doch diesmal stand ich auf verlorenem Posten - das darf man ruhig wörtlich nehmen.
Direkt neben mir hatte Karin ihren Stand. Zusätzlich zu ihren Bildbänden über Gewürze hatte sie auch die Büchlein über Pflanzen der österreichischen Alpenwelt ausgestellt. Passend dazu duftende Seifen im Organza-Beutel mit Holzspänen und einem Beiblatt über Herkunft, Geschichte und Besonderheit der jeweiligen Seifenzutat. Es gab bei ihr also viel zu schauen, zu hören, zu riechen und zu genießen. Und natürlich in ihren Romanen zu stöbern.
Auf der anderen Seite von Karin - und damit wirklich in der hintersten Ecke - hatte ihre Tochter Linda Margarete (Fotografin) einen Stand, an dem sie ihren frisch herausgekommenen Bildband über die Samen (indigenes Volk in Lappland) vorstellte. Sensationelle Aufnahmen von den Nordlichtern waren darin enthalten, aber auch vieles über die Lebensart dieses Volkes dokumentiert, mit denen sie eine Zeit lang gelebt hatte. Der Bildband ist ein echtes Juwel.
Nützt nur alles nichts, wenn kaum einer vorbeikommt. Auf den Standort hat man als Messeteilnehmer leider keinen Einfluss. Und da das Fantasy-Genre in dem Jahr die Messe noch stärker dominierte als bereits die Jahre zuvor, war der Rest unter "ferner liefen" in die hintersten Ecken verfrachtet worden. Nur mit den Krimi-Leuten war man etwas gnädiger gewesen.
Kurz: Wir hatten sehr viel Zeit uns kennenzulernen. So unterschiedlich unsere Werke auch sind, so sympathisch waren wir uns auf Anhieb. Ich schnüffelte stundenlang an ihrer Speik-Seife; gewonnen aus einer Pflanze, die - wie ich von Karin lernte - inzwischen nur noch in einer ganz bestimmten Region der österreichischen Alpen wächst. Valeriana celtica - so der botanische Name - findet übrigens auch in der Nicolae-Saga Erwähnung, da schon die Kelten dieses kostbare Kraut mit seiner duftenden Wurzel vielseitig zu verwenden wussten.
Am Ende der Buchmesse kehrte ich mit mehreren Beuteln Seife (Zirbelkiefer und Speik) nach Hause zurück, deren wunderbarer Duft mich die Messestunden über begleitet hatte. Karin schenkte mir die dazugehörigen Büchlein und hatte mir den ersten Band der Nicolae-Saga abgekauft. Geschenkt haben wollte sie ihn auf gar keinen Fall.
Wir blieben in E-Mail-Kontakt und lernten uns immer besser kennen. So entwickelte sich unsere ganz besondere Brieffreundschaft. Schon bald ging es neben Beruflichem auch um Privates. Inzwischen wissen wir mehr voneinander als manch unserer langjährigen Freunde. Kurios und wunderbar.
Auf der Leipziger Buchmesse 2019 trafen wir uns im realen Leben wieder. Danach kam sie auf eine Stippvisite nach Hamburg; leider zur Corona-Zeit, sodass wir mit einem mehrstündigen Spaziergang bei Schmuddelwetter vorliebnehmen mussten.
Letztes Jahr haben mein Mann und ich Karin endlich in der Schwäbischen Ostalb besucht. Sie hat mit uns unvergessliche Ausflüge gemacht - unter anderem zur Ameisenstadt in Dellenhäule, wo das nebenstehende Foto entstanden ist - und uns ihre schöne Heimat gezeigt.
Es war ein vertrautes Wiedersehen, als wenn wir erst gestern auseinandergegangen wären. Mit manchen Menschen funktionieren solche Freundschaften. Sie haben Bestand, unabhängig von der Häufigkeit des direkten Kontakts, und sind daher etwas sehr Kostbares.
Die nicolae-Saga im Tiny House
Besonders stolz bin ich darauf, dass inzwischen alle sieben Bände meiner Nicolae-Saga in Karins Bücherregal stehen - und zwar in ihrem Tiny House! Wie man sich denken kann, musste sie sich bei dieser drastischen Verkleinerung des Wohnraums von furchtbar vielen Büchern trennen. Die Nicolae-Bände aber durften bleiben.
Das weiß ich umso mehr zu schätzen, als ich mir anfangs gar nicht sicher war, ob diese der richtige Lesestoff für Karin wären. Sie selbst anscheinend auch nicht, denn es hat eine ganze Weile gedauert, bis sie die nötige Muße oder Bereitschaft fand, den ersten Band aufzuschlagen. Aber dann hatte es sie schnell gepackt. Ihr Feedback wurde von Band zu Band enthusiastischer. So viel Lob von einer Autorenkollegin zu bekommen, hat ungemein gut getan.
Dieses Foto schickte sie mir aus ihrer Kärntner Hütte. Damals hatte sie gerade den letzten Band der Nicolae-Saga "An der Quelle" am Wickel.
Solche Liebenswürdigkeiten machen uns Autoren (ich denke, ich darf das verallgemeinern) glücklich. Wir brauchen so etwas, um durchzuhalten; um die Kraft zu finden, weiterzumachen. Denn der Buchmarkt ist brutal.
Dass Karin ebenfalls zu den treuesten Lesern meines Autorenblogs gehört und mir regelmäßig Rückmeldungen gibt, freut mich über alle Maßen.
Karins Lieblingsgewürze
Der Untertitel "... die große Faszination" ist perfekt gewählt. Das trifft es genau. Die kunstvolle fotografische Darstellung der Gewürze, die fesselnde Beschreibung über Vorkommen, Geschichte, Anbau und Verwendung haben mich absolut fasziniert. Mir war vorher nicht bewusst, dass man die kleinsten Küchenzutaten dermaßen ästhetisch in Szene setzen und so spannend über sie erzählen kann - Chapeau!
Den frisch veröffentlichten Bildband habe ich als Vordruck bekommen und war - und bin es noch - absolut begeistert! Normalerweise habe ich es nicht so mit Koch- oder Backbüchern & Co, aber dieses Gewürzbuch ist wirklich etwas ganz Besonderes - es ist ein Schmuckstück und damit bestens geeignet als Coffee Table Book.
Schon beim Durchblättern steigt einem quasi der Duft der abgebildeten Gewürze in die Nase. Wenn ich dann noch die passenden Rezepte dazu lese, habe ich den Geschmack so gut wie auf der Zunge und möchte sofort in der Küche loslegen. Und das kann man problemlos. Denn es handelt sich überwiegend um Gewürze, die fast jeder in der Küche hat, wie zum Beispiel Zimt, Muskat oder Nelken.
Nichts finde ich lästiger, als wenn ich erst auf die Jagd nach exotischen Gewürzen gehen muss, für die ich danach anderweitig kaum noch Verwendung finde. Oder die Zutaten für die Rezepte erst auf den Einkaufszettel nehmen muss. Mit Karins Rezepten kann ich sofort eine der vorgeschlagenen Leckereien zubereiten - ob deftig oder süß.
Was dieses Gewürzbuch noch so besonders macht, abgesehen von den interessanten wie unterhaltsamen Texten, den schönen Illustrationen und schnell umsetzbaren leckeren Küchenrezepten? Sehen Sie selbst:
"Karins Lieblingsgewürze" ist übrigens in einer Neuauflage bei Amazon erhältlich.
Ein Gewürzbuch für alle Sinne, das viel Freude bereitet und darum bestens als Geschenk geeignet ist, wie ich finde.
In Arbeit: Gewürzbuch für Kinder
Wie genial ist das denn? Und wie zieht man so etwas auf?
Ich durfte schon mal Einblick nehmen in Skizzen und Gedanken und kann versprechen: Das wird ein total niedliches bebildertes Geschichtenbuch für Kinder. Nach und nach werden noch Bilderbücher zu einzelnen Gewürzen entstehen.
Ach ja, Karin ist übrigens auch noch Erzieherin und kümmert sich unter der Woche liebevoll um ihre Zwerge im Waldkindergarten. Sie weiß also, auf was die Jüngsten abfahren und wie man sie für Geschichten aus der Natur begeistert.
Die Ideen gehen Karin jedenfalls nicht aus! Ich bin gespannt, was noch alles kommt.
Bild- und Musiknachweis
Die auf dieser Seite verwendeten Fotos stammen - wenn nicht aus eigenem Bestand - mit freundlicher Genehmigung von:
- Autorin Karin Müller
- Fotografin Linda Margarete
Die dem Video hinterlegte Musik "The enchanted Garden"
entstammt der EP "Rainfalls & Interludes" mit freundlicher Genehmigung von:
- Komponist und Musikproduzent Maximilian J. Zemke
In der Reihe "Vorgestellt" bereits erschienen:
> Gerald Axelrod: Meister der mystischen Fotografie und Legendenforscher
![Aurelia L. Porter [Official Author Website]](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=582x10000:format=png/path/s8f9586d8de03882a/image/i8310c7ba198099a1/version/1458925724/image.png)










