In meiner neuen Blogreihe "Vorgestellt" werde ich in loser Folge Künstler vorstellen, die ich durch meine Autorenarbeit kennen- und schätzen gelernt habe.
Den Anfang macht Gerald Axelrod: österreichischer Fotograf, Buchillustrator und Autor.
Gerald Axelrod: Meister mystischer Fotografie u. Legendenforscher
Mythen und Legenden - das ist das Thema von Gerald Axelrod. Ob König Artus, Nostradamus, Faust oder Frankenstein, er geht den Sagen dieser weltberühmten Figuren bzw. deren Schöpfer auf den Grund und sucht der Wahrheit dabei so nahe wie möglich zu kommen.
Was ist dran an der Legende? Wie viel Wahrheit enthält sie? Was wurde hinzugedichtet? Wie und warum ist sie entstanden? Von diesen Fragen lässt er sich leiten. Der jeweilige Titelheld seiner Bildbände wird unter Berücksichtigung des historischen Hintergrunds aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Seine Recherchearbeit schildert Axelrod so spannend, dass man meint, sich mit ihm gemeinsam auf die Spuren eines uralten Rätsels gemacht zu haben.
Dazu reist er zusammen mit seiner Frau Liane Angelico (Autorin von Jugend-Fantasy-Romanen und Engelsgedichten) zu den Wirkungsstätten seiner legendären Helden, gräbt in Archiven und durchwühlt historische Dokumente. Auch folkloristische Erzählungen lässt er dabei nicht außer Acht. Denn das, was das früher meist schriftunkundige Volk über die Helden oder Antihelden ihrer Zeit zu berichten wusste, zeigt oft eine ganz andere Seite als die historischen Quellen.
Von manchem Mythos muss man sich nach der Lektüre seiner Bildbände verabschieden, aber auch manch historisch Überliefertes lässt Zweifel aufkommen. Am Ende bietet er uns eine plausible Geschichte, auch wenn manche Fragezeichen bleiben. Denn das liegt in der Natur von Mythen.
Ganze 17 fantastische Bildbände sind bisher entstanden, in denen er die Schauplätze seiner Helden mystisch in Szene setzt.
Was uns verbindet
Mit Mythen und Legenden bekam auch ich es bei der Romanrecherche zur Nicolae-Saga reichlich zu tun. Außerdem mit sehr viel Historischem. Ich stand längst nicht mehr am Anfang meiner umfangreichen Recherchen, als mein Mann mir zu Weihnachten den Bildband "Transsylvanien - Im Reich von Dracula" schenkte.
Ich war begeistert! Denn darin schildert Gerald Axelrod eine wichtige Epoche rumänischer Geschichte zu Zeiten des walachischen Fürsten Vlad III. ("Dracula"), auch bekannt als Vlad Tepes - der Pfähler. Zu diesem hatte ich selbst bereits einiges an historischem Material zusammengetragen. Nicht alles war deckungsgleich, es kommt eben darauf an, welcher der unterschiedlichen Quellen man Glauben schenken möchte, welche Darstellung einem am plausibelsten erscheint und welche - so viel Ehrlichkeit muss sein - am besten ins Gesamtkonzept passt.
Zudem geht Gerald Axelrod in dem Bildband der Entstehung des Vampirglaubens auf den Grund und zeigt anschließend, wie der irische Schriftsteller Bram Stoker beides in seinem weltberühmten Schauerroman "Dracula" miteinander verwoben hat. Durch die Journalform leider auf so glaubhafte Weise, dass dem historischen Fürsten Vlad III. das Etikett eines Vampirs für alle Ewigkeit anhaftet. Allein die Rumänen wissen nichts davon, wenn sie nicht gerade in der Tourismusbranche arbeiten. Sie verehren Vlad Tepes noch heute als einen der wenigen gerechten und für sein Volk einstehenden Fürsten.
Was das nachträgliche Etikett eines Vampirs durch die Feder von Bram Stoker anbelangt, dessen Quellen Gerald Axelrod in seinem Bildband akribisch recherchiert und aufgeführt hat, bildet dieses Thema übrigens das Kernstück in Band 7 der Nicolae-Saga "An der Quelle". In dem letzten Band (und auch schon in dem vorherigen "Aus dem Schatten") bewegt sich mein Titelheld in den Theater- und Literaturkreisen Londons und läuft demzufolge auch Bram Stoker über den Weg. Als dieser seinen Schauerroman "Dracula" herausbringt, sind Nicolae und seine Familie über den Inhalt bestürzt. Das Buch enthält Anspielungen - für diejenigen, die sie herauszulesen vermögen -, welche meine Romanfamilie in große Gefahr bringt. Soweit die Fiktion.
Die viktorianische Gesellschaft jedoch hat Bram Stokers Roman als Schundliteratur abgetan, von ihm war kurze Zeit später kaum noch die Rede. Erst durch die Verfilmungen ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde "Dracula" zum Dauerbrenner bis in die heutige Zeit. Wenn Mr Stoker das wüsste!
"Transsylvanien- im Reich von Dracula"
Aber zurück zu Gerald Axelrods Bildband "Transsylvanien - im Reich von Dracula".
Wie wunderbar, jemanden gefunden zu haben, der zu den gleichen Themen recherchiert hatte! Auch tat sich mir dadurch die eine oder andere neue Quelle auf, wobei unsere Lesarten gelegentlich auseinandergingen. Aber gerade das zeigt sehr deutlich, wie gefiltert wir lesen, je nachdem, welches Ziel wir - manchmal auch unbewusst - verfolgen. Denn der Wahrheiten gibt es bekanntlich viele.
Es hatte mich gefreut, dass er genauso an das Thema heranging wie ich: historisch unter Berücksichtigung der um Vlad Tepes rankenden Legenden. Denn in jeder Sage - so geht die Sage (!) - steckt auch ein Körnchen Wahrheit. Und dieses Körnchen herauszukristallisieren, ist eine Kunst für sich.
Ebenfalls faszinierend ist die Fülle an fantastischen Fotos, die der Bildband enthält. Sie zeigen diverse Schauplätze in Rumänien, die auch ich mittlerweile bereist habe. Mein eigenes Bildmaterial ist jedoch viel zu "touristisch", um es für die Nicolae-Saga verwenden zu können. Die mystische Fotografie Gerald Axelrods hingegen unterstützt seine fesselnden und informativen Texte zu dem gruseligen Thema perfekt.
Ganz aktuell ist eine 4. Auflage des Bildbandes mit 81 zusätzlichen Fotografien herausgekommen. Erhältlich bei Amazon.
Wie es zu unserem Kontakt kam
Anlässlich der Veröffentlichung von Band 3 der Nicolae-Saga "Jenseits der Wälder" hatten mein Sohn und meine Tochter für mich einen Buchtrailer entworfen - siehe "Die Musik zur Nicolae-Saga -Teil 2". Für diesen fehlte uns noch ein Bild. Ein Bild, das wir insbesondere als Standbild verwenden konnten. Dazu kam mir sofort eines aus Gerald Axelrods Bildband "Transsylvanien - Im Reich von Dracula" in den Sinn: Ein ganzseitiges Foto einer Skulptur von Vlad Tepes, aufgenommen in der ehemaligen Hauptstadt der Walachei in Targoviste. Das passte perfekt!
Zwar hatte ich seinerzeit Targoviste schon bereist, um die Alte Fürstenresidenz mit dem berühmten Chindia-Turm zu besichtigen, der auf jeder Etage anhand historischen Materials die Geschichte Vlad III. erzählt. Nur auf dem nebenliegenden Parkgelände, wo die Statue riesengroß und unübersehbar mittig platziert ist, waren wir nicht gewesen. Echt blöd!
Das haben wir inzwischen natürlich nachgeholt. Nur so schön mystisch habe ich die Fotos nicht hinbekommen.
Und so schrieb ich Gerald Axelrod an und fragte, ob ich sein Foto wohl für meinen Buchtrailer verwenden dürfe. Ich erhielt weit mehr als seine Genehmigung.
Hier das Ergebnis mit Vorschaubild von Gerald Axelrod aus dem Fotoband "Transsylvanien - Im Reich von Dracula":
Der Trailer zur Nicolae-Saga
Weitere Fotobände
Von da an blieben wir in E-Mail-Kontakt, da mich auch die Bildbände, an denen er aktuell arbeitete, brennend interessierten. Denn wie Sie vielleicht meiner Bio auf der Seite "Über mich" entnommen haben, habe ich ein Faible für alles Mystische.
Heute habe ich etliche Bände aus der Reihe "Mythen und Legenden" bei mir im Bücherregal stehen:
Der wahre König Artus und die Suche nach Avalon, Wo das Reich der Nibelungen verborgen liegt, Frankenstein und die Illuminaten, Sherlock Holmes und der Fluch von Baskerville u.v.m.
All diese Bildbände sind gespickt mit mystischen Fotografien von Originalschauplätzen, sodass man Lust bekommt, sie selbst einmal in Augenschein zu nehmen.
Und so waren wir bereits auf der deutschen Märchenstraße auf den Spuren der Brüder Grimm unterwegs und haben sowohl das Dornröschenschloss (Sababurg bei Hofgeismar) als auch Rapunzels langen Zopf am Turm der Trendelburg besichtigt; sind im Rotkäppchenwald (Knüllwald) gewandert und in Hameln dem Rattenfänger gefolgt. Die Bremer Stadtmusikanten wohnen bei uns ohnehin quasi "um die Ecke". Viele wunderbare Anregungen haben wir durch den Fotoband "Die fantastische Welt der Brüder Grimm" erhalten und zudem erfahren, welche wahre Begebenheit den Märchen zugrunde liegt.
Sein neuester Fotoband "Als Faust seine Seele dem Teufel verkaufte" ist 2025 herausgekommen und wirft ein völlig neues Bild auf diese durch Goethe verewigte Legende. Und auch die Geschichte, wie Goethe einst mit dem Thema in Berührung kam und anschließend sein Leben lang daran arbeitete, ist spannend geschrieben wie ein Krimi.
Mehr darüber habe ich in meinem Blogbeitrag "Was ich gerade lese" geschrieben.
Dracula-Führung in Burg Lockenhaus
Jedes Jahr veranstalten Gerald Axelrod und Liane Angelico auf Burg Lockenhaus im österreichischen Burgenland zwei ganz besondere Führungen.
Zum einen geht es um die sogenannte "Blutgräfin" Elisabeth Bathory (1560 bis 1614). Sie steht im Guinness-Buch der Rekorde als größte Serienmörderin aller Zeiten und hat ihr blutiges Unwesen auch auf Burg Lockenhaus getrieben. Manche Verschwörungstheoretiker wittern zwar eine politische Intrige, doch Gerald Axelrod bringt auf seiner Führung die Wahrheit hinter diesem Mythos ans Licht. Ansonsten enthüllt sein Fotoband "Die Geheimnisse der Blutgräfin Elisabeth Bathory" jede Menge über diese ungarische Adelsdame.
Mehr über die Führung nebst TV-Beitrag erfahren Sie hier.
Zum anderen geht es um den mittelalterlichen Fürsten der Walachei, Vlad III. (1431 bis 1476) - genannt Tepes, der Pfähler. Auf dieser Spezialführung erzählt Gerald Axelrod, wie der Vampirglaube in Transsilvanien entstand, und enthüllt, ob es Untote wirklich gab bzw. noch gibt. Denn die letzte Pfählung - und das ist verbürgt! - fand im Jahre 2004 statt. Natürlich berichtet er auch von den vielen Legenden, die sich um Vlad Tepes ranken, und wie viel Politikum dahintersteckt.
Nachzulesen in dem weiter oben gezeigten Fotoband "Transsylvanien - Im Reich von Dracula".
Unser persönliches Kennenlernen
Im Jahr 2018 haben mein Mann und ich uns im heißen August auf Burg Lockenhaus, nahe der ungarischen Grenze, einquartiert. Sie gilt übrigens als letzte echte Ritterburg des Landes. In dem dicken Gemäuer war es wunderbar kühl - und spooky. Wir waren zu Gerald Axelrods und Liane Angelicos Führungen angereist, nachdem wir zuvor in der Wachau ein paar Tage an der Donau verbracht und auch Wien einen Besuch abgestattet hatten.
Eine perfektere Kulisse könnte es für die mystischen Führungen zur "Blutgräfin" und "Dracula" gar nicht geben!
In dem Jahr trafen wir Gerald jedoch allein an. Mit seiner angenehmen Stimme führte er uns Teilnehmer in dunkle Zeiten zurück und brachte Licht in die gruseligen Biografien der beiden berühmt-berüchtigten historischen Persönlichkeiten.
Neben den beiden gut besuchten offiziellen Führungen kamen wir noch in den Genuss einer privaten Führung durch die Pfarr- und Wallfahrtskirche Lockenhaus. Die unter Denkmalschutz stehende Kirche stammt aus dem im 17. Jahrhundert. Von außen recht unspektakulär, birgt sie im Inneren einige Überraschungen.
Hervorzuheben ist die Krypta. Sie beherbergt die Grabstätte der ungarischen Familie Nadasdy. Alle, die es gruftig mögen, kommen hier ausstattungsmäßig auf ihre Kosten. Und wenn man zuvor den beiden Führungen gelauscht hat, läuft einem in der dumpfen Gruft unwillkürlich ein leichter Schauer über den Rücken. Oder lag es nur daran, dass wir aus der großen Hitze in gemäßigtere Temperaturen abgetaucht waren?
Da wir so dicht an der Grenze zu Ungarn waren, bot es sich an, zum Abendessen hinüberzufahren. In dem nur 2 km entfernten Städtchen Koszeg (dt.: Güns) war jedoch der Bär los. Sie gilt als eine der schönsten und romantischsten ungarischen Städte. Leider haben wir vor lauter Menschenmassen nur wenig davon zu sehen bekommen. Wir waren froh, dass wir noch einen Tisch in einem der vielen und gut besuchten Restaurants fanden. Da es ein lauer Sommerabend war, fand alles draußen statt mit viel Musik, buntem Trubel und Rambazamba.
Welch eine Ruhe empfing uns hinterher in unserer kargen Kammer auf der Burg! Wir haben die Nacht bestens geschlafen und sind trotz all des gruselig anmutenden Gehörten und Gesehenen auch von keinerlei Albträumen geplagt worden.
Dieses Treffen mit Gerald Axelrod ist für uns unvergesslich. Und wer weiß, vielleicht wiederholen wir es irgendwann einmal. Denn was Burgen, Sagen und Schauergeschichten angeht, darin ist Gerald der unschlagbare Meister.
> Mehr erfahren Sie auf der Website von Gerald Axelrod und Liane Angelico
![Aurelia L. Porter [Official Author Website]](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=582x10000:format=png/path/s8f9586d8de03882a/image/i8310c7ba198099a1/version/1458925724/image.png)











