Englischer Psychothriller
Auch dieser Krimi fand sich unter den Sunday Times Bestsellern in der Buchhandlung am Londoner Airport Heathrow. Mein Mann hatte sich ihn ausgesucht, um sich die Wartezeit zu verkürzen, während ich es mir mit Chris Chibnalls Death at the White Heart gemütlich gemacht hatte. Gemütlich trifft es. Denn im Vergleich zu The Woman in Cabin 10 war es in der Tat eher ein cosy crime.
The Woman in Cabin 10 hingegen ist ein absoluter (Achtung Anglizismen!) pageturner und nail biting thriller - wirklich zum Fingernägelknabbern. Warum? Weil man der Protagonistin immer einen winzigen Schritt voraus ist und sie am liebsten von ihrer unbedachten Aktion abhalten möchte. Wie oft habe ich ihr innerlich "NEIN!!!" zugebrüllt. Hat aber nix genützt. Sie musste in die nächste gefährliche Situation schlittern.
Und darum geht es:
Die Journalistin Laura (Lo) Blacklock vertritt ihre erkrankte Chefin auf der Jungfernfahrt der Aurora Borealis - einer Luxusyacht des millionenschweren Geschäftsmanns Lord Bullmer. Nur dass diesem die Millionen gar nicht gehören, sondern seiner krebskranken Ehefrau, die für diese besondere Fahrt ebenfalls mit an Bord ist.
Des Weiteren befinden sich unter den wenigen auserwählten Gästen, die einen Törn durch skandinavische Gewässer spendiert bekommen, weitere High Society- und Presseleute. Letztere sollen von der außergewöhnlich exklusiv ausgestatteten Yacht berichten, die in entsprechenden Kreisen zu mieten ist.
Es wäre ein wunderbarer Trip geworden, wäre Lo nicht in der ersten Nacht durch ein Geräusch aus dem Schlaf gerissen worden. Sie ist der festen Meinung, dass aus der Nebenkabine etwas über Bord geworfen wurde, etwas Großes und Schweres. Lo eilt auf den Balkon und sieht in letzter Sekunde eine Frau in den dunklen Fluten versinken. Und: an der Trennwand zur Nachbarkabine klebt Blut!
Als sie den Vorfall dem für sie zuständigen Stewart meldet, reagiert dieser skeptisch, denn die Nebenkabine ist - unbesetzt! Und tatsächlich finden sie diese leer vor und von Blut ist auch keine Spur mehr zu entdecken. Sollte Lo dies alles nur geträumt oder sich eingebildet haben? Schließlich sind ihre Nerven noch etwas angegriffen von dem kürzlichen Einbruch in ihrer Londoner Parterre-Wohnung, bei dem sie den Einbrecher überraschte und von diesem niedergeschlagen wurde.
Aber nein. Sie ist sich sicher, nicht geträumt zu haben. Außerdem war die Nebenkabine Stunden zuvor noch keinesfalls leer. Lo hatte dort angeklopft, um sich einen Kosmetikartikel auszuleihen. Eine junge Frau hatte ihr geöffnet, die sich aber laut des Stewarts gar nicht an Bord befindet.
Nach diesen Ungereimtheiten fragt Lo anderntags die anderen Gäste nach der Unbekannten aus. Doch keiner scheint sie gesehen zu haben oder gar zu kennen. Und es wird auch kein Passagier an Bord vermisst.
Lo lässt die Angelegenheit keine Ruhe und forscht weiter. Als sie bei einem Spa-Aufenthalt auf einem beschlagenen Spiegel die Aufforderung liest, mit der Schnüffelei aufzuhören, lässt sich auch das nach wenigen Sekunden nicht mehr nachweisen.
Egal wem sich Lo anvertraut, ihr schlägt überall Skepsis entgegen, selbst bei ihrem Ex, der als Fotograf für ein anderes Blatt mit von der Partie ist. Man hält sie für nervlich überreizt.
Die brenzligen Situationen spitzen sich zu. Letztendlich sitzt Lo gefangen in einem fensterlosen Raum tief im Rumpf des Schiffes - während alle anderen Gäste von Bord gehen. Doch bis zu dieser ausweglosen Situation ist es ein Weg voller Verdächtigungen, Bedrohungen und großem Verwirrspiel. Absolut großartig!
Das Einzige, das mich genervt hat, war der inflationäre Gebrauch des F-Wortes. In jedem heutigen US-Film oder Serie gehört es inzwischen zum Standard. Leider. Aber müssen es die britischen Inselbewohner deshalb unbedingt nachahmen? Auch auf Englisch kann man wunderbar vielseitig fluchen.
Der Roman wurde übrigens bereits 2016 veröffentlicht, die Verfilmung lief im Oktober 2025 (Zeitpunkt des Kaufes) auf Netflix. Und so landete das Buch abermals auf der Bestsellerliste. Obwohl mir die Auflösung bekannt ist, werde ich mir den Film unbedingt noch ansehen. Denn ich bin gespannt, wie er mit Keira Knightley in der Hauptrolle umgesetzt wurde.
Auch schon gelesen oder auf Netflix gesehen? Dann lassen Sie mich gerne Ihre Meinung dazu wissen.
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