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Chris Chibnall: Death at the White Hart

englischer Südküstenkrimi

Was ich gerade lese: "Death at the White Hart" von Chris Chibnall

Diesen Krimi hatte ich mir am Londoner Flughafen Heathrow gekauft, um die Wartezeit zu überbrücken. Eines von diesen Hunderten von Taschenbüchern, die man überall zuhauf sieht und für gewöhnlich nicht in mein literarisches Beuteschema passen. Aber ich wollte etwas Leichtes, schnell Lesbares. Es stand bei den Top Ten Sunday Times Bestsellern

 

Ausschlaggebend war, dass es vom selben Autor stammt, der auch "Broadchurch" geschrieben hat. Diese britische Krimiserie von 2013 hatten wir mit Begeisterung geguckt.

Ein weiterer charmanter Pluspunkt: der Handlungsort Dorset in Südengland - die Gegend, die wir gerade bereist hatten.

 

Handlung:

Auf der Küstenstraße wird eine an einen Stuhl gebundene nackte Leiche gefunden, an deren Kopf ein Geweih befestigt wurde. Es handelt sich um den im ganzen Dorf Fleetcombe bekannten Wirt des Pubs "The White Hart" - Der weiße Hirsch

 

Was hat es mit dem Geweih auf sich?

Ein mystisches Symbol? Ein Zeichen für Ehebruch? Eine Familienfehde, die nach hundert Jahren wieder aufflammt? (1925 gab es bereits einen ähnlichen Fall.) Oder gar ein Serientäter, inspiriert durch die alte Dorfgeschichte?

 

Die frisch aus Liverpool nach Fleetcombe gezogene Kriminalpolizistin Nicola Bridge ermittelt den Fall. Für sie eine gute Gelegenheit, das Dorf und ihre Bewohner näher unter die Lupe zu nehmen und kennenzulernen.

 

Schon bald muss sie, aus der Großstadt kommend, erkennen, dass es mit der ländlichen Idylle nicht weit her ist. Hinter den beschaulichen Fassaden tun sich Feindseligkeiten, Mobbing, Konkurrenzdenken, Ehebruch, Betrügereien, Geldwäsche und Schlimmeres auf.

 

Genau das liebe ich an Kleinstadt- oder Dorfkrimis: hinter die harmlos wirkenden Kulissen zu schauen, die komplexen Beziehungen zu durchleuchten und das wahre Bild hinter dem Schein hervorzuholen.

 

Natürlich wird auch das Privatleben der ermittelnden Kriminalpolizistin thematisiert: ein fremdgehender Ehemann, der als Rechtfertigung ihre ständige Abwesenheit - auch geistiger Natur! - angibt, der ihr vorwirft, mit ihrer Arbeit verheiratet zu sein (soso, Rollenwechsel!); sowie ein pubertierender Sohn, der zu entgleiten droht. 

 

So weit, so üblich. Diese Bestandteile funktionieren immer. 

 

Um dem Ganzen einen aktuellen gesellschaftlichen Aspekt zu verleihen, musste eine nicht-binäre Persönlichkeit sowie eine Ukrainerin dem Personal beigefügt werden. Hat nicht sonderlich zum Fall oder anderweitigen Inhalt beigetragen, war also vermutlich nur dem heutigen Zeitgeist geschuldet.

 

Fazit: ein grundsolider englischer Krimi, wie man ihn erwartet, mit wunderbar schrägen Charakteren. 

Wenn man Broadchuch kennt, kommt man allerdings auch ohne jeglichen Anhaltspunkt oder Verdachtsmoment ziemlich schnell auf den Täter. Denn das Muster ist dasselbe: natürlich derjenige, von dem man es am wenigsten erwartet!

Das tut der Spannung jedoch keinen Abbruch, denn das Warum ist - jedenfalls für mich - oft viel spannender.

 

Jetzt warte ich auf die Verfilmung.