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Agatha Christie: Towards Zero

Was ich gerade lese: "Towards Zero" von Agatha Christie

Von der Queen of Crime

Nachdem ich letztes Jahr den Geburtsort Agatha Christies in Torquay besucht und das jährliche Festival zu Ehren der Königin des Krimis knapp verpasst hatte, habe ich mir dieses Jahr mal wieder einen ihrer Bücher vorgenommen. Schließlich war ich als junge Frau eine heiße Verehrerin ihrer Romane und habe etliche davon im Regal stehen, viele davon auf Englisch.

 

"Towards Zero" - im Deutschen als "Kurz vor Mitternacht" bekannt - war mein allererster Agatha-Christie-Krimi; 1978 in London gekauft, wie mich meine eigene Handschrift auf den ersten Seiten informiert. 

 

Ein weiterer Eintrag besagt, dass ich ihn "very thrilling" fand. Zu meiner Rechtfertigung muss ich sagen, dass ich damals im zarten Alter von 16 Jahren noch nicht viele Thriller gelesen hatte und das Genre noch nicht so inflationär wie heute den Buchmarkt überschwemmt hat. Außerdem war ich damals garantiert noch nicht so kritisch wie heute.

 

Sie ahnen es bereits, oder? Im Nachhinein war ich über dieses pauschale Urteil leicht verwundert. 

 

"Towards Zero" ist Agatha Christies 34. Kriminalroman und 1944 erschienen - zudem der 5. und letzte Fall von Superintendent Battle. Er wurde sowohl verfilmt als auch für die Bühne adaptiert. Das funktioniert perfekt, weil Agatha Christie die Regieanweisungen in ihren Roman quasi mit eingebunden hat. Kaum eine wörtliche Rede, ohne Beisatz, wie etwas gesagt wird, was die Dialoge stellenweise etwas holprig macht und meinen Lesefluss immer wieder stocken ließ. 

 

Was auffällt - vielleicht weil es heutzutage ein Unding wäre -, dass es mehr als die Hälfte des Romans brauchte, bis endlich ein Mord passierte. Heute muss ein solcher ja möglichst gleich auf den ersten Seiten geschehen, um den Leser bei der Stange zu halten. Agatha Christie durfte sich damit noch Zeit lassen. Leser hatten damals ganz offenbar mehr Geduld.

 

Nach dem Mord wurde es dann richtig spannend, was ich für die Seiten zuvor nicht behaupten kann. Im ersten Kapitel wurde mir das Personal einfach vor die Füße geknallt. Und so hat Agatha Christie dieses denn auch "Open the door and here are the people" tituliert; frei übersetzt: Vorhang auf für die Mitwirkenden.

Diese werden kurz skizziert, und zwar wirklich alle! Auch diejenigen, die erst auf den allerletzten Seiten einen kurzen Auftritt haben. Doch bis dahin hatte ich die Personenbeschreibung der ersten Seiten längst vergessen, kaum dass ich mich an die Namen erinnern konnte! Okay, das mag meinem betagten Gedächtnis geschuldet sein, das nicht mehr mit dem meines 16-jährigen Ichs mithalten kann. Trotzdem.

 

Fasziniert war ich von dem für die Zeit der Bucherscheinung - 1944, wie gesagt - modernen Thema. Ein geschiedener Mann, namens Nevil Strange, der mit seiner neuen Frau und seiner Ex ein paar entspannte Urlaubstage an der See verbringen möchte, um ein freundschaftliches Verhältnis zueinander aufzubauen. Das stößt zu der Zeit nicht überall auf Verständnis. Vor allem nicht bei Lady Tressilian, die ihr Haus für die drei und weitere untereinander bekannte Tagesgäste geöffnet hat. Unter den Anwesenden herrschen gewisse Spannungen und Animositäten, die sich nach und nach immer deutlicher herauskristallisieren.

 

Nachdem es nun endlich einen Mord gegeben hatte, ging das Verdächtigungskarussell in meinem Kopf los. Agatha Christie versteht es hervorragend, den Leser auf falsche Fährten zu führen. Kaum ist man sicher, den Mörder zu kennen, wird eine andere Figur hoch verdächtig. Motive haben sie ohnehin alle!

 

Wundervoll, mit Superintendent Battle gemeinsam der Wahrheit auf die Spur zu kommen! Ein spannendes Rätsel gilt es zu lösen. Doch jedes Puzzleteil, das aufgedeckt wird, ergibt ein anderes Bild.

 

Was mir an Agatha Christie Krimis besonders gefällt: Sie funktionieren immer noch und zwar ganz ohne brutale Gewaltdarstellung oder Sexszenen, ohne Milieustudie oder Gossensprache. Stattdessen mit einzigartigen Charakteren und viel Wortwitz, oft in eine hübsche Landschaft gebettet.

Cosy Crime nennt man das heutzutage. Von einigen als realitätsfern belächelt. Mir jedoch gefällt's. Zumal wir mit Perversitäten und Grausamkeiten aller Art schon zur Genüge konfrontiert werden. Das muss ich mir nicht auch noch in einem Buch geben.

 

Meine Agatha Christie-Favoriten sind jedoch die alten Miss Marple-Filme aus den 60er Jahren mit der schrulligen Margaret Rutherford in der Titelrolle, auch wenn die Autorin ihre Romanfigur völlig anders beschrieben hatte.

Auch ihre Hercule Poirot-Romane, wie "Tod auf dem Nil", haben Kultcharakter, nicht zuletzt wegen der unvergessenen Darstellung von Sir Peter Ustinov. Beide Ermittler-Figuren sind für mich das Mark der Agatha-Christie-Welt.

 

Sie war eine unfassbar fleißige Schriftstellerin; allein 66 Kriminalromane, aber auch Kurzgeschichten und Autobiografien. Daher werde ich mir ab jetzt häufiger einen ihrer Romane aus dem Regal ziehen. 

 

Übrigens hatte Agatha Christie (1890 bis 1976) im Januar dieses Jahres ihren 50. Todestag. Mehr über ihr Leben und ihre Werke können Sie auf der Seite von Planet Wissen erfahren.


Lieben auch Sie die Agatha Christie Krimis? Welcher ist Ihr Favorit? Mich interessiert es. Lassen Sie es mich daher gerne wissen.

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