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Jane Austen: Stolz und Vorurteil

Was ich gerade lese: "Stolz und Voruteil" von Jane Austen

Dramatische Gesellschaftskomödie

Auch diesen Klassiker habe ich nach Jahrzehnten nochmals zur Hand genommen. Die Titelseite enthält meinen handschriftlichen Eintrag, dass ich dieses Buch 1988 in Salisbury gekauft und gelesen habe.  

 

Die populären Verfilmungen der Austen-Romane habe ich nie zu Ende geschaut.  Zu schnell geraten sie zu reinen Kostümfilmen, in denen die eigentliche Aussage des Werkes verloren geht. Die Romane haben so viel mehr zu bieten.

 

Wie viel Kritik an der englischen Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts diese doch enthalten. Dennoch muss ich im Falle von "Stolz und Vorurteil" gestehen, dass mir das Gehabe der Familie Bennet mit ihren fünf heiratsfähigen Mädchen - davon einige ständig kichernde und flirtende Exemplare, die wild hinter Uniformen im heimischen Garnisonsstädtchen her sind -  die ersten 250 Seiten etwas auf den Geist gegangen sind.

 

Der Liebste in der Runde ist mir ohnehin der eher selten in Erscheinung tretende Mr Bennet. Er ist wohltuend wortkarg und direkt - im Gegensatz zu seiner Ehefrau, die stets in übertriebener Manier und mit mächtig viel Brimborium für Aufruhr in ihrem Hühnerhaufen sorgt, den sie gut unter die Haube zu bringen gedenkt.

Der Herr des Hauses hingegen will bloß seine Ruhe und zieht sich aus diesem Grunde so oft wie möglich zu seinen Büchern in die Bibliothek zurück, die für alle anderen Familienmitglieder tabu ist. Total verständlich, wenn Sie mich fragen!

Im Nachhinein betrachtet handelt er natürlich nachlässig und entzieht sich seiner Verantwortung als Familienoberhaupt, was später ziemlich viel "Ungemach" nach sich zieht. 

 

Und dann ist da Elizabeth - die eigentliche Heldin des Romans - die als zweitälteste Tochter einen erfrischend unaufgeregten und reiferen Blick auf die Dinge hat und trotzdem ihren eigenen Fehleinschätzungen und Vorurteilen hinsichtlich der mehr oder weniger "guten Partien" in ihrem Umfeld verfällt. Der erste Eindruck ist eben nicht immer der richtige!

 

Das betrifft vor allem den Auftritt des berühmten und oft zitierten Helden Mr Darcy, dem in seiner stillen bescheidenen Art so viel Unrecht widerfährt. Er versteckt seine inneren Werte zu gut.

Als Antiheld muss Mr Wickham, der Blender, herhalten, dem sofort alle Damenherzen zufliegen - ein Aufschneider und Betrüger. Leider verfällt ihm auch die jüngste Bennet-Tochter mit ihren gerade mal 16 Lenzen. In ihrer naiven Art brennt sie mit ihm durch und findet das auch noch hochromantisch. 

 

Die Gesellschaft sieht das anders: Skandal! Das unehrenhafte Verhalten der Jüngsten bringt die ganze Familie in Verruf. Die Mutter ist am Boden zerstört, der Vater weiß kaum, wie ihm geschieht, die Schwestern sind entsetzt.

Doch die abenteuerlustige Lydia glaubt fest daran, dass alle sie um ihren Fang beneiden, und ist auch noch stolz darauf, dass sie, die Jüngste, als Erste verheiratet ist - und zwar in Windeseile, um nicht länger in Schande zu leben. Doch das hat sie  gar nicht begriffen.

 

Was Stolz und Vorurteile doch alles anrichten können! Ein ganzes beschauliches Städtchen und ruhiges Familienleben gerät aus den Fugen. Doch bis dahin - bis zu den ganzen Enthüllungen und ans Licht geratenen Wahrheiten - wohnt der Leser dem unspektakulären Leben einer Familie in einer englischen Kleinstadt bei, wo alles in festen Ritualen seinen Gang geht.

Die Hoffnung auf Belebung durch die Ankunft eines gut situierten Junggesellen auf dem Nachbarsgut ist nur von kurzer Dauer. Er bricht seine Zelte überstürzt wieder ab und die Familie Bennet versinkt wieder in Monotonie. Mehr als das: in absoluter Enttäuschung, denn Mutter Bennet hatte ihre älteste Tochter schon im Bund der Ehe mit der guten Partie gesehen. Und hatte sein Verhalten auf dem arrangierten Tanzball dies nicht sogar bestätigt? Und dann wagt er es, nicht am nächsten Tag bei ihnen einen Anstandsbesuch zu machen, um um die Hand der bildschönen Jane zu bitten. Unerhört!

 

Was hat das zu bedeuten? Wieso ging es nicht wie sonst den zu erwartenden Gang? Wer hat hier intrigiert und warum? In wessen Charakter hat man sich gar geirrt? Was sollen nun die Nachbarn über die verschmähte Braut denken? 

Mrs Bennets Pläne wurden jäh über den Haufen geworfen. (Wir sprechen hier übrigens über einen Zeitraum von nur wenigen Tagen!) Sie ist gekränkt und elend, am Lamentieren und Klagen. Bis ein neuer Hoffnungsschimmer am Horizont auftritt und das Verkupplungsspiel von vorne beginnt. 

 

So richtig spannend wurde es erst, als es zum weiter oben erwähnten Skandal und mit ihm zu allerlei Entlarvungen - positiver und negativer Art - kommt. Dann weicht der Stolz und macht der Scham Platz über all die ungerechtfertigten Vorurteile.

Schließlich ist nur noch fraglich, ob die Etikette es zulässt, dass zwei Liebende zueinander kommen können, ohne dass dies von der Gesellschaft als Mesalliance abgestempelt wird. 

 

Zum Glück ist ja allgemein bekannt, dass Elizabeth ihren einst verschmähten und wüst beschimpften Mr Darcy bekommt und auch Jane ihr Glück in den Armen von Mr Bingley findet. Ja, ein Happy End. Aber ein schwer errungenes. Hapuh!