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Leipziger Buchmesse: Das Fest der Bücher im März

Auf der Leipziger Buchmesse

Das Fest der Bücher im März

 Jedes Jahr um diese Zeit werde ich ein wenig nostalgisch. Denn dann findet die alljährliche Leipziger Buchmesse statt - das Fest der Bücher. Viele schöne Begegnungen mit anderen Autoren kommen mir in Erinnerung, inspirierende Gespräche am Verlagsstand, aber auch steigende Nervosität kurz vor den Lesungen oder anderweitigen Programmpunkten. 

 

Wochen- wenn nicht gar monatelang habe ich auf diesen einen besonderen Termin hingearbeitet: Programmkonzepte entwickelt und ausgefeilt, Werbematerial entworfen und anfertigen lassen, Lesungstexte optimiert, die Stimme geschont (bloß keine Erkältung kurz vorher kriegen!), die Messetasche zig mal gepackt: ist der Lieblingskuli zum Signieren dabei? Das Brillenputztüchlein eingesteckt? Sind die Flyer griffbereit?

 

Dann endlich ist es soweit. Schon auf der Fahrt zum Messegelände werden die Finger feucht. Sobald man vom dauerhaften Gebrumm in der Empfangshalle begrüßt wird, gibt es kein Zurück mehr. Die Gänge zwischen den Hallen ziehen einen wie magnetische Schleusen mitten hinein ins Getümmel.  

 

Es gibt Menschen, die das lieben. Mich strengt es an. Darum habe ich stets als allererstes meinen Verlagsstand anvisiert. Er kam mir jedes Mal wie eine Oase vor, ein Ort der Besinnung, bekannte Gesichter, die einen freundlich begrüßen, und schon fühlte ich mich nicht mehr so verloren in diesem wogenden und tosenden Menschen- und Büchermeer.

 

Natürlich war es eine Ehre, auf der Buchmesse einen Lesungsplatz ergattert zu haben. Das ist nicht jedem vergönnt. Dazu eine Sonderpräsentation des im Jahr zuvor herausgekommenen Buches. Und da es sich bei der Nicolae-Saga um eine Bücherserie handelt, durfte ich die vorherigen Bände entsprechend mit präsentieren.

 

In einem Jahr hatte mir mein Verlag ein Roll-up-Banner spendiert - das war seinerzeit noch etwas Besonderes. Sie hatten es perfekt gestaltet: meine Bücher auf mystischem Hintergrund, plus mein - für mein Empfinden - ziemlich großes Konterfei sowie die Veranstaltungspunkte mit Uhrzeiten. Es machte ordentlich was her und ich durfte es sogar behalten.

 

Als ich 2014 das allererste Mal auf der LBM gelesen habe, fand ich es seltsam, in den Messehallen mein Gesicht auf großen Plakaten zu entdecken, die meine Lesung ankündigten. Teilweise mehrere nebeneinander. Bei der Bilderflut, die einem dort begegnet, ist dies wohl unerlässlich.

 

Ob die viele Werbung greift? 

Das ist fraglich bei einer Veranstaltung, auf der es um nichts anderes geht als um Aufmerksamkeit. Wo alle genau darum buhlen. Marktgeschrei XXXXL.

 

Ist der Lesungszeitpunkt relevant?

Oh nee, bloß nicht so früh am Morgen, da sind die Besucher womöglich noch nicht richtig wach! Um die Mittagszeit? Ganz schlecht! Da sind die ersten schon erschöpft und gehen zum Essen. Wie, um 11 Uhr??? Da liest doch nebenan der berühmte Autor XY, da stehste auf verlorenem Posten.

 

Alles Quatsch! Man kann keine einzige Vorhersage machen. Es kann die beste Prime-time sein und trotzdem herrscht gähnende Leere zwischen den Stuhlreihen. Oder umgekehrt, wie ich es einmal erfahren durfte, als ich wegen der vermeintlich unglücklichen Tageszeit mit kaum Zulauf gerechnet hatte und volle Stuhlreihen vorfand.

 

Viele Zuhörer gleich viele Buchkäufe?

Nicht wirklich. Die Besucher eilen von einer Lesung zur nächsten. Am Ende des Tages haben sie so viel gehört, dass kaum etwas davon hängengeblieben sein kann, es sei denn, sie gehen gezielt zu den Lesungen ihrer Lieblingsautoren. Aber dessen Leser sind sie ja ohnehin schon. Manche setzen sich auch nur in Lesungen, um ihre Füße auszuruhen. Oder um ne Runde zu schlafen. Auch das muss man als Autor aushalten.  

 

Was wirklich neue Leser gebracht hat?

Das war die Auslegung der Nicolae-Bände in der Messe-Buchhandlung. In dem Jahr hatte ich richtig gute Verkäufe.

Wer nun aber glaubt, dass es eine Selbstverständlichkeit wäre, dass die auf der Buchmesse präsentierten Bücher auch in der dortigen Buchhandlung zu erwerben sind, oder zumindest die Bücher, aus denen gelesen wurde, der irrt.

Welches Buch die Ehre hat, in die Messebuchhandlung aufgenommen zu werden, entscheidet vorab diese selbst. Dafür müssen die Verlage dann richtig viel Kohle hinblättern. Das macht es für kleine bis mittelständische Verlage von vornherein schwierig.

 

Wer dominiert also die Messe?

Genau, die üblichen Platzhirsche, die man ohnehin auf den Büchertischen der großen Buchhandlungsketten findet. Insofern hatte ich das eine Jahr einfach richtig viel Glück. Es hat mir gezeigt, dass die Nicolae-Saga gekauft wird, wenn sie sichtbar ist. Tja, und genau darin liegt die Crux. Denn so ein Selfpublishing-Buch findet selten Einzug in den stationären Buchhandel - es sei denn, es ist ein auf TikTok gehyptes BookTok-Buch, die jedoch überwiegend aus dem Romantasy-Genre (Romantische Fantasy) stammen. 

 

Ob ich die Leipziger Buchmesse vermisse?

Meinen Verlag ja. Die Buchmesse nicht wirklich. Meine Zeit auf der LBM verbinde ich unweigerlich mit meinem kleinen Berliner Dienstleistungsverlag, der noch auf so herrlich altmodische Art Bücher herausgebracht hat:

  • Mit  mehrseitigen Buchverträgen in doppelter Ausfertigung und Originalunterschriften; also in Papierform und per Postversand! Ein ganzer Aktenordner hatte sich mit den Vertragswerken gefüllt. 
  • Mit persönlichen Autorenbetreuern, die telefonisch zu den üblichen Bürozeiten für einen da waren und mit denen ich auf den Buchmessen (LBM und Buch Berlin) im regen Austausch stand;
  • und - und das ist wirklich etwas ganz Besonderes - mit eigener Druckerei im Haus! Nix Billigdruck in Polen. Alles "made in Berlin" - so entsprechend das Motto des Verlags.

Genau diese konservative Herangehensweise hat mir so sehr zugesagt; dieses Menschliche, auch wenn es "nur" eine Geschäftsbeziehung war; dieses Wertlegen auf Qualität (sagte ich schon, dass ich die Papiersorte wählen konnte?) und vor allem die persönliche Ansprache. Meine Autorenbetreuerin hat mich jahrelang begleitet; also kaum Fluktuation im Team, was als gutes Zeichen galt - damals! 

Und genau diese Ausrichtung: Klasse statt Masse, Verlässlichkeit und Seriosität (lauter aus der Mode gekommene Begriffe) hat ihnen letztendlich das Genick gebrochen. Das Selfpublishing hatte sich unterdessen revolutioniert. Wer in dem Bereich mithalten wollte, musste den reinen online-Weg beschreiten, wo der Autor nur noch Tools an die Hand bekommt, um seine Bücher zu Hause am PC ganz alleine zu verlegen. Dienstleistung im eigentlichen Sinne? Fehlanzeige! 

 

Darum denke ich jedes Jahr im März mit einem Lächeln im Herzen an unsere gemeinsame Zeit auf der Leipziger  Buchmesse zurück, als ich noch gefühlt  einen Verlag mit einem festen Team hinter mir wusste.

Pro Business: "Bücher - made in Berlin." Du fehlst mir mit all deinen sympathischen Mitarbeitern! 

 

Hier ein paar Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2014 bis 2018, als die Buchbranche noch anders tickte: