Der Rumänienadventskalender 2005 bis 2025 - Jubiläum!

Nun ist es so weit. Es heißt Abschied nehmen von 20 Jahren mit Rumänienadventskalendern. - Kaum vorstellbar!
Wie jetzt? Keine E-Mail-Anfrage Anfang Oktober von Hans mehr, der uns Beitragsschreiber um Themenauswahl und Titelvorstellung bittet? Der uns später noch mal anstupst, allmählich in die Puschen zu kommen und unsere Geschichten zu Papier zu bringen? Keine Deadline Mitte November? Kein tagelanges Wühlen und Auswählen im Fotoarchiv? Kein Kürzen, Überarbeiten, Schleifen und Polieren des Textes bis zur letzten Minute? Kein Übersenden einer Megafotodatei per Filemail? Kein geheimer Link zum Beitrag im Rumänienadventskalender zwecks Fehlerkontrolle und Schönheitskorrekturen?
Und vor allem: Keine Vorfreude auf die Geschichten anderer Beitragsschreiber? Unfassbar!!!
Als ich damals die ersten RAK-Beiträge gelesen hatte, waren mir die rumänischen Begriffe und Regionen noch überwiegend unbekannt. Oft habe ich erst einmal auf google maps schauen müssen, wo die beschriebene Gegend überhaupt liegt.
Inzwischen ist mir das meiste geläufig.
Wie oft habe ich voller Freude über Ecken Rumäniens gelesen, in denen auch wir schon unterwegs gewesen waren. Es war stets bereichernd, durch die Brille anderer etwas Vertrautes zu betrachten und deren Wahrnehmung mit der eigenen zu vergleichen. Unterschiedliche Perspektiven sind immer etwas sehr Spannendes für mich.
Zum Glück ist ja nicht alles futsch, sondern liegt ordentlich sortiert und abgelegt im RAK-Archiv, das Hans rechtzeitig für uns angelegt hat. Schon beim Durchstöbern für diese Blogserie, die morgen zu Ende geht, habe ich vor allem die frühen Beiträge mit ganz anderen Augen gelesen. Etliches kann ich heute viel besser einordnen.
Meine drei Hauptthemen
Wie bereits in Teil 1 dieser Blogserie erwähnt, war ich auf meinen Recherchereisen kreuz und quer durch Rumänien auf den Spuren meines Romanhelden Nicolae unterwegs sowie auf denen zweier Fürsten:
- den mittelalterlichen Fürsten Vlad III. Basarab, auch bekannt als Vlad Tepes (der Pfähler)
- und den im 17./18. Jh. lebenden Constantin Brancoveanu, Vater des rumänischen Baustils.
Zu Letzterem gab es bereits zwei Beiträge im RAK, die ich gleich vorstellen werde:
- Der Brancoveanu-Stil – Rumänienadventskalender 2014
- Die Brâncoveanu-Klöster Horezu und Sâmbăta de Sus - Rumänienadventskalender 2021
Zum großen Finale im RAK habe ich erstmalig über die beiden noch ausstehenden Spuren berichtet, auf denen ich ebenfalls jedes Mal unterwegs war: den Spuren von Vlad Tepes und meines Titelhelden Nicolae.
Auf den Spuren von Constantin Brancoveanu
Der Brancoveanu-Stil

Wer nach Rumänien reist, kommt um ihn nicht herum: Selbst wer sich nicht für Architektur oder Kunstgeschichte interessiert, wird im Laufe seines Aufenthaltes irgendwann verzückt vor einer dieser spiralförmig und mit gemeißelten Blütenranken verzierten Säulen oder reich verzierten Balustraden stehen bleiben und staunen.
Auch mit Steinmetzarbeiten verzierte Fenster- und Türenumrandungen mit zumeist floralen Ornamenten in Form von Blüten und Ranken zeichnen den brancovenesken Baustil aus.
Zurückzuführen ist dieser auf den walachischen Fürsten Constantin Brancoveanu (17./18. Jahrhundert), der seinem Land eine kulturelle Blütezeit bescherte. Keiner hat so nachhaltig wie er den rumänischen Baustil geprägt.
In diesem Beitrag geht es ums Schauen und Staunen. Staunen Sie mit!
Die Brancoveanu-Klöster in Horezu und Sambata de Sus

Die Brancoveanu-Klöster in Horezu und Sambata de Sus
In der Walachei begegnet man dem Brâncoveanu-Stil mit seinen säulengestützten Loggien und Laubengängen sowie üppigen Steinmetzarbeiten alle naslang; vorwiegend natürlich an Herrenhäusern und Klöstern.
Vater der typisch rumänischen Architektur ist der kunstsinnige Fürst Brancoveanu, dessen Reisen nach Italien ihn dazu inspirierten. Es ist eine Mischung aus venezianischen, byzantinischen und urrumänischen Elementen und verbindet so Ost mit West.
Eine Perle dieser Baukunst befindet sich in Oltenia (kleine Walachei): Das Brancoveanu-Kloster in Horezu. Töpfe mit Oleander verbreiten auf dem Klosterkomplex ein mediterranes Flair. Hier fand ich aus dem Schwelgen kaum heraus.
Überraschenderweise befindet sich ein weiteres Brancvoveanu-Kloster auf transsilvanischem Boden in Sambata des Sus.
Beide Klöster haben eine außergewöhnliche Geschichte aufzuweisen - wie der Fürst selbst.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen die Schönheit der beiden Klöster und erzähle Ihnen das tragische Schicksal des dem Humanismus und der Kunst zugewandten Fürsten.
Auf den Spuren von Vlad Tepes

Dieser mittelalterliche Fürst nimmt zwar eine eher hintergründige, aber bedeutende Rolle in der Nicolae-Saga ein; und das obwohl ich ihn komplett außer Acht lassen wollte, nachdem Rumänien als Haupthandlungsort feststand! Aber dann bin ich bei meinen Recherchen ständig über ihn gestolpert. Selbst in wissenschaftlichen Fachbüchern kam ich nicht an ihm vorbei.
Infolgedessen habe ich auf meinen Recherchereisen in Rumänien Orte aufgesucht, in denen er seine Spuren hinterlassen hat. Als da wären:
- sein Geburtshaus in Sighisoara/Schäßburg (Siebenbürgen/Transsilvanien)
- die Alte Fürstenresidenz in Targoviste (ehemalige Hauptstadt der Walachei)
- der Alte Fürstenhof in Bukarest, den er gegründet und damit Bukarest zur weiteren Residenzstadt gemacht hat
- Cetatea Poenari - Festung an der Transfagarasan, einer Passstraße, die die Walachei mit Transsilvanien verbindet
- Burg Hunedoara/Schloss Corvin, wo er sieben Jahre lang vom ungarischen König festgehalten wurde
- Kloster Comana, das er gegründet hat und das für sich beansprucht, Fundstätte seiner sterblichen Überreste zu sein
- Kloster Snagov nahe Bukarest, wo seine Grabstätte zu besichtigen ist
Spannend, wie sehr sich Historiker bezüglich seiner Person uneinig sind und doch jeder auf seinem Standpunkt beharrt.
Vielleicht kommen Sie der Wahrheit beim Lesen meines Beitrags - oder besser noch: der Nicolae-Saga - näher.
Auf den Spuren meines Romanhelden
Auf den Spuren meines Romanhelden
In dem Beitrag führe ich ebenfalls zu sieben Stätten in Rumänien. Bildreich zeige ich auch hier die verschiedenen Landstriche und ergänze sie durch kleine Auszüge aus den sieben Bänden der Nicolae-Saga.
Außerdem erzähle ich über meine Recherche vor Ort und verrate, was lediglich meiner Fantasie entsprungen ist.
- Bucovina und Moldauklöster: Bereits in Band 1 "Zwischen den Welten" besucht mein seinerzeit noch sehr junger Titelheld zusammen mit seiner Mutter diese herrliche zum Wandern einladende Region sowie die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Moldauklöster.
- Sighisoara/Schäßburg, Brasov/Kronstadt und Sibiu/Hermannstadt: Eine jede dieser siebenbürgischen Städte hat ihren ganz eigenen Charakter. In Hermannstadt besucht Nicolae ab Band 3 "Jenseits der Wälder" das Gymnasium und muss sich dort unter den mehrheitlich deutschstämmigen Schülern und Lehrern behaupten.
- Bucegi-Gebirge in den Südkarpaten: Hier ist Nicolaes eigentliches Zuhause, das er in Band 1 erstmalig kennenlernt, um in Band 2 endgültig dorthin zurückzukehren. Die bizarren Felsformationen und mystischen Stätten haben mich zu mancher Szene inspiriert.
- Bukarest: Im Altstadtviertel finden sich zum Glück noch reichlich Spuren aus dem 19. Jahrhundert. Die unter Denkmalschutz stehenden historischen Gebäude bieten eine gute Vorstellung vom damaligen "Klein Paris". Ihre Architektur verbindet Ost und West - genau wie mein Romanheld.
- Klosterinsel Snagov: In Band 5 "Unter dem Schwert" besucht Nicolae die Grabstätte von Vlad Tepes und ist schwer enttäuscht. Denn als er seine Hände auf die Grabplatte legt, spürt er ... gar nichts! Verwirrt fordert er von seinem Vater Aufklärung. - Die Grabstätte wirft in der Tat Fragen auf. Die Nicolae-Saga bietet Antworten.
- Oltenia (Kleine Walachei): Als 14-Jähriger (Band 4 "Abseits der Pfade") büxt Nicolae von zu Hause aus und lernt Land und Leute jenseits der Bukarester Paläste und seines behüteten Bergdorfs kennen. In Oltenia heuert er auf einem Obsthof an. Die liebliche Landschaft sowie die fast gleichaltrige Matilda lassen ihn seine bergige Heimat schnell vergessen.
- Turnu Severin: Auf seiner Wanderschaft gelangt Nicolae bis zur Grenzstadt Severin im südwestlichsten Zipfel Rumäniens. Dort führte einst die längste Brücke der Welt über die Donau, erbaut unter dem römischen Kaiser Trajan. In der Hafenstadt weht ein raues Klima. Hier kämpft Nicolae im wahrsten Sinne des Wortes ums Überleben. Dort, wo noch heute die Reste der Brückenpfeiler zu sehen sind, hat sich so manch dramatische Szene abgespielt.
Obwohl historisches Bildmaterial und dokumentarische Aufzeichnungen meinen Recherchen wesentlich dienlicher waren, haben mich das persönliche Aufsuchen der Handlungsorte und die nachträgliche Spurensuche sehr bereichert. Natürlich hat sich in den letzten 150 Jahren gerade das Aussehen der Städte extrem verändert, und auch die Landschaften haben einen gravierenden Wandel erlebt. Doch gerade in Rumänien ist vielerorts noch ein Hauch der alten Zeiten spürbar.
Genau das ist der einzigartige Schatz des Karpatenlandes. Und genau das wurde immer wieder durch die vielfältigen Berichte im Rumänienadventskalender deutlich.
Vorschau
Eigentlich sollten an dieser Stelle noch meine drei Lieblingsbeiträge im RAK aus den Jahren 2020 bis 2025 folgen. Das würde den Rahmen jedoch sprengen. Darum lesen Sie diese bitte im nächsten Blogartikel. Zwischen den Jahren ist dafür hoffentlich Muße genug.
Also nicht vergessen: der letzte Teil dieser Blogserie folgt morgen!
Lesen Sie auch Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 dieser Blogserie.
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