Bukarest bis Timisoara
Ging es im vorherigen Teil dieser Serie von Bukarest ostwärts nach Iasi in der Moldau, so geht es im letzten Teil von Bukarest westwärts nach Timisoara im Banat. Mit einigen Abschweifungen und in großen Bögen kreuz und quer.
Wieder wandere ich dabei auf den Spuren Nicolaes und Vlad Tepes'. Wieder gibt es abseits der Pfade viel zu entdecken und so manches Naturwunder zu bestaunen. Rumänien ist eben jederzeit für eine Überraschung gut.
Auf den Spuren Nicolaes
Wandern Im Bucegi-Gebirge - Nicolaes Heimat
Auf dieser Recherchereise - oder vielmehr Nachrecherche - will ich in der Bergwelt wandern, in der Nicolae seine neue Heimat gefunden hat. Das Karpatenschloss der da Larucs - ihr Höhennest - habe ich irgendwo im Bucegi-Gebirge unweit der Königsschlösser bei Sinaia verortet. Genauer gesagt, östlich davon tief im Gebirge, umschlossen von den hohen Gipfeln der Südkarpaten.
Eines unserer Wanderziele ist die Ialomita-Höhle in der Ialomita-Schlucht auf einer Höhe von über 1.500 Metern. Diese bekannteste Höhle Rumäniens ist 400 Meter in den Berg hinein begehbar und umfasst Galerien, Kammern und einen Bachlauf. In der Nicolae-Saga - in Band 3 "Jenseits der Wälder" und Band 5 "Unter dem Schwert" - habe ich ein umfangreiches Höhlensystem beschrieben, das diesem in ungefähr gleichkommen könnte.
Leider kann ich mich davon nicht überzeugen, denn obwohl wir in Rumänien 2018 in der zweiten Aprilhälfte bereits einen herrlichen Frühsommer genießen konnten, herrscht dort 2023 zur selben Zeit noch tiefer Winter. Daher sind die Passstraßen nicht passierbar. Im Gegenteil, durch die einsetzende Schneeschmelze gibt es immer wieder herabrutschende Schneebretter, die die Straßen komplett versperren. Auch das Wandern ist mit Vorsicht zu genießen.
Trotzdem wagen wir die eine oder andere Wanderung und nehmen die letzten Tage der winterlichen Bergwelt in uns auf. Auch das hat seinen Reiz. Obwohl ich sehr gerne die rumänische Sphinx (sfinxul) sowie "die alten Frauen" (babele) bestiegen hätte. So stehen diese berühmten Gipfel des Bucegi-Gebirges nach wie vor auf meinem Wunschzettel.
Nachfolgend ein paar winterliche Impressionen aus Nicolaes Heimat.
Was genau wir auf unserer Schnee-Wanderung im Bucegi-Gebirge erlebt haben, können Sie in meinem Reisebericht "Bukarest bis Timisoara" nachlesen.
Dorfmuseum Valcea in Oltenia
In Band 4 der Nicolae-Saga "Abseits der Pfade" begibt sich mein Titelheld auf Wanderschaft und lernt Land und Leute jenseits seines behüteten Karpatendorfes und der Bukarester Paläste kennen. Eines Tages erreicht er einen Obsthof in Oltenia (Kleine Walachei).
Auf dieser Tour kommen wir abermals durch Oltenia, wo sich das in Teil 4/2 dieser Serie von mir beschriebene Brancoveanu-Kloster befindet. (Siehe dazu auch meinen Beitrag zum Rumänienadventskalender 2021.)
In dem Dorfmuseum in Valcea, in der Nähe von Ramnicu Valcea - ebenfalls ein Ort, den Nicolae auf seiner Wanderschaft passiert - lassen wir die herrliche Natur auf uns wirken. Hier ist es genauso, wie ich es mir beim Beschreiben dieser Region vorgestellt habe: ein unglaublicher Frieden liegt in den lauen Lüften und ein geradezu spürbarer Zauber der Natur. Hier möchte man für immer verweilen.
Und so ist auch Nicolae lange auf dem oltenischen Obsthof geblieben. Zu lange!
Ein Ausflug nach Oltenia
Aus Band 4 der Nicolae-Saga "Abseits der Pfade":
In den Ausläufern der Südkarpaten schlängelte sich der Olt um bewaldete Hügel und Schluchten, vorbei an Obstplantagen und Weinbergen, zwischen denen sich kleine Kirchen und Einsiedeleien verbargen. Gartenklöster und von wildem Wein überwucherte Häuser luden zur Beschaulichkeit ein.
Nicolae ließ Frate in einen langsamen Trab fallen. Immer wieder machte er Halt, um die friedliche Stimmung einzufangen, die vom Ruf der Wasseramsel und Goldammer bereichert wurde. Im Rücken wusste er die fernliegenden Gipfel der Südkarpaten, die seine Heimat gewesen waren, doch er schaute sich kein einziges Mal nach ihnen um. Nur vorwärts wollte er schauen, auf die vor ihm liegenden kleinen Dörfer, deren aus Holz gefertigte Häuser reichlich Schnitzwerk an Türen, Fenstern und Giebeln aufwiesen. Allerlei Vieh tummelte sich auf den umliegenden Weiden und tat sich am letzten Grün gütlich, das in windgeschützten Mulden hier und dort noch üppig wuchs. In den Weinbergen krabbelten die Menschen wie Ameisen umher, die Kiepen schwer beladen mit prallen Trauben. Frauen mit geschürzten Röcken zerstampften die reifen Beeren in großen Fässern. Die Winzer konservierten die Fülle des Sommers. Nicolae sah manch gefülltes Weinfass ins Innere der Berge rollen, wo es kühl und den Winter über vor Frost geschützt gelagert wurde.
Nachdem er das Floß verlassen hatte, mit dem er sich für eine Silbermünze über den Olt hatte setzen lassen, stieß er kurze Zeit später auf eine Ansiedlung niedriger Strohdachhäuser. Sie schauten höchstens einen Meter aus dem Boden heraus und sahen von Ferne aus, als wären sie für Zwerge gebaut. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckte er, dass sie tief ins Erdreich gebaut waren.
»Du kommst wohl nicht von hier?«, hörte er einen etwa achtjährigen Knirps fragen, der neugierig zu ihm hochblinzelte, während er sich am Wegesrand sitzend zwischen den Zehen pulte.
»Sieht man mir das an?« Freundlich blickte Nicolae ihn an.
»Mmh... Du guckst so komisch.«
»Weil ich noch nie zuvor so kleine Häuser gesehen habe. Wohnen hier denn nur Kinder? Bin ich gar im Kinderland?«
Der Gedanke schien dem Kleinen zu gefallen. »Aber nein!«, kicherte er. »Obwohl wir Kinder in meiner Familie in der Überzahl sind, sagt Großmutter und seufzt dabei immer schwer.«
»Wie viele seid ihr denn?«
»Vierzehn. Ich habe sieben Brüder und sieben Schwestern.«
»Das sind mit dir aber fünfzehn!«
»Delia zählt nicht. Die trinkt noch aus Mamas Brust. Großmutter zählt nur die Esser am Tisch.«
»Passt ihr denn überhaupt alle an einen Tisch?«
»Wir essen nacheinander. Die Großen zuerst.«
»Und du? Gehörst du schon zu den Großen, oder musst du essen, was übrig bleibt?«
»Ich bin die Mitte. Ich darf’s mir aussuchen«, antwortete der Kleine grinsend und ließ eine frische Zahnlücke sehen.
»Wohnt ihr auch in einem dieser kleinen Häuser?«
»Es sind keine kleinen Häuser. Sie sind genauso groß wie alle anderen, nur dass sie eingebuddelt wurden, damit es im Sommer schön kühl darinnen bleibt und im Winter nicht so kalt wird. Die Erde schützt uns, sagt Großvater.«
»Das ist aber ganz schön schlau von euch.«
»Ja, das sind wir auch, denn wir sind Oltenier. Papa sagt, Oltenier sind schlaue Leute, und ich bin auch einer.«
»Wie ist dein Name, schlauer Oltenier?«
»Călin. Und deiner?«
...
Die oltenischen Erdhäuser sind im Dorfmuseum Bukarest zu sehen (Teil 6 dieser Serie) sowie im Dorfmuseum in Golesti.
auf den Spuren Vlad III. Tepes
Targoviste
In Targoviste, der ehemaligen Hauptstadt der Walachei, stehen die Ruinen der Alten Fürstenresidenz. Ihr markantester Bau ist der Chindia-Turm, der vom anliegenden Park aus gut zu sehen ist. Kein Geringerer als Vlad III. Basarab hat ihn um 1460 erbauen lassen und so erzählt der Turm auf jeder Etage die Lebensstationen des Walachenfürsten. Auch in der Nicolae-Saga findet er Erwähnung als Versteck geheimer Dokumente.
Den Fürstenhof haben wir ausführlich auf einer der vorherigen Reisen erkundet - siehe Wundertüte RO Teil 5/1. Diesmal steht das angrenzende Parkgelände (Parcul Chindia) an - und das mit gutem Grund. In ihm steht nämlich eine imposante Büste von Vlad Tepes, die Gerald Axelrod für seinen Bildband "Im Reich von Dracula" (aus der Reihe "Mythen und Legenden") abgelichtet hat. Dieses Foto wiederum durfte ich für meinen Buchtrailer verwenden, den Sie am Ende dieses Beitrags finden. Nun endlich will ich die Büste mit eigenen Augen sehen und vor die Linse bekommen.
Dominant ist sie in der Mitte des Parks platziert, umgeben von Rabatten und unweit der Ahnengalerie des Abgebildeten.
Fürstengalerien findet man übrigens in fast jeder größeren Stadt in Rumänien. Auch den von mir verehrten und oft erwähnten Constantin Brancoveanu, der den rumänischen Baustil wie kaum ein anderer prägte und sein Land zu einer Blütezeit verhalf, ist in dem Park zu finden. Über dessen tragisches Schicksal habe ich in einem Beitrag zum Rumänien-Adventskalender 2021 berichtet.
Kloster Comana
Ja, es gab tatsächlich noch eine Stätte, an der Fürst Vlad III. Basarab aus der Walachei seine Spuren hinterlassen hatte, und die ich noch nicht kannte: Das Kloster Comana im Süden der Walachei, an der Grenze zu Bulgarien.
Dieses wurde von ihm 1461 als Klosterfestung gegründet. Doch es zerfiel und wurde über hundert Jahre später von Radu Serban komplett abgerissen und neu wieder aufgebaut - mit Wehrmauern und fünf Wehrtürmen. In den späteren Jahrhunderten erfuhr es mehrere Restaurierungen.
1861 (Handlungszeit der Nicolae-Saga) entdeckte man die Fundamente des ursprünglichen Klosters und gründete 4 km westlich des Klosters ein Dorf zu Ehren Vlad Tepes, das seinen Namen trägt.
In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts fand man bei archäologischen Arbeiten auf dem Gelände des Klosters eine kopflose Leiche. Einige Historiker vermuten, dass es sich dabei um den Leichnam des Fürsten handelt, der auf einem Schlachtfeld in dieser Gegend gefallen sein soll. Sein Kopf wurde bekanntermaßen zum Sultan nach Konstantinopel gebracht, als Nachweis seines Todes.
Hm ... Doch wie passt das mit der Theorie zusammen, dass des Fürsten letzte Grabstätte im Kloster Snagov (40 km nördlich von Bukarest) zu finden ist? (Siehe dazu auch: Auf den Spuren von Vlad III. Tepes in Teil 4/1 und Teil 5/1 dieser Serie.)
Da man bei Öffnung des Grabes im Kloster Snagov Anfang des 20. Jahrhunderts nur Tierknochen fand, könnte es sich bei der kopflosen Leiche in Comana tatsächlich um Vlad III. handeln. Doch es bleibt eine Theorie.
Ein aktueller Bericht vom 19.07.2025 des österreichischen Kurier bringt nun eine dritte Theorie über Vlads letzte Ruhestätte ins Spiel: Neapel! Um genau zu sein: die Kapelle einer italienischen Adelsfamilie, in die Vlads angebliche Tochter geheiratet haben soll. Nun ja ...
Rumänische Archäologen halten diese Theorie für einen "Marketing-Gag." Ich bin geneigt, mich dem anzuschließen.
Snagov, Comana, Neapel - wer es besser wissen will, sollte meine Nicolae-Saga lesen.
Aufklärung gibt es in Band 5 "Unter dem Schwert." ;-)
Bran
So. Und nun kommen wir zu einem wirklichen Marketing-Gag: Castel Bran, zu Deutsch: Törzburg. Seit Jahrzehnten wird es von der Touristikbranche als Dracula-Schloss vermarktet. Und so zieht es jedes Jahr Tausende von Touristen in das kleine Dorf zu seinen Füßen. An den zahlreichen Verkaufsständen findet man alles, was das Dracula-Fanherz begehrt.
Ob Fürst Vlad III. Tepes tatsächlich jemals seinen Fuß in die entzückende Ritterburg setzte, erfahren Sie in Teil 3/1 dieser Serie. Wir haben es schon zweimal besichtigt, denn es ist unabhängig davon auf jeden Fall einen Besuch wert.
Auf dieser Reise steht es jedoch nicht auf unserem Programm. Und so sind wir ziemlich überrascht, als wir in Bran Halt machen. Wir erfahren, dass wir dort übernachten. Warum nicht? Es liegt auf dem Weg und der Blick auf die Burg ist eher märchenhaft als gruselig.
Als wir jedoch unsere Zimmer betreten, fallen uns fast die Augen aus dem Kopf und wir kommen aus dem Schmunzeln nicht heraus. So sieht also ein modernes Hotelzimmer für Dracula-Fans aus! Staunend sehen wir uns um und entdecken immer mehr witzige Details. Wir wähnen uns in einer Filmkulisse, haben aber trotz der Schauer erregen sollenden Verzierungen am und über dem Bett die ganze Nacht über wunderbar geschlafen.
Anderntags schauen wir uns Bran - diesen idyllisch gelegenen Gebirgsort - ausgiebig an. Wir spazieren durch einen hübschen kleinen Park, der sogar ein Museum beherbergt, in dem man die Hinterlassenschaft des rumänischen Königspaars Maria und Ferdinand I. besichtigen kann.
Später stoßen wir auf die Mauerreste der ehemaligen Grenze zwischen der Walachei und Transsilvanien, bevor beide Gebiete 1918 im Königreich Rumänien vereint wurden.
Die Aussicht auf die Bergwelt ringsherum ist einfach herrlich. Und auch das Schloss ist von allen Seiten äußerst fotogen.
Wir verlassen Bran nicht ohne Souvenirs. Gabriel schenkt uns einen Kühlschrankmagneten und einen Flaschenöffner mit dem Konterfei Vlad III. War ich dem Touristenkrempel bisher erfolgreich ausgewichen, so freue ich mich nun doch über diese beiden Erinnerungsstücke. Ein bisschen Kitsch muss sein.
Abseits der PFade
Trovanti - wachsende STeine
Es gibt ja einige spektakuläre Steingebilde auf der Welt, die durch Witterung und Erosion seltsam geformt sind. Aber so etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen.
Diese bizarren Gebilde liegen einfach so in der Gegend herum. Teilweise sehen sie aus wie versteinerte Ufos, Pilze oder Baumstämme. Als hätte sie dort jemand hingekarrt und abgeladen. Mitten auf der Wiese, mitten auf einer Anhöhe oder mitten im Wald. Wie sind sie da bloß hingekommen?
Sie sind dort, in der Region Buzau (Walachei), an Ort und Stelle gewachsen! Bis zu 6,5 Mio. Jahre sollen sie alt sein, haben Wissenschaftler herausgefunden. Und trotzdem stehen diese vor einem Rätsel. Man vermutet, dass das sandige Innere der Steine Feuchtigkeit aufnimmt und sie so zum Wachsen bringt. Aber das ist nur eine Theorie.
Gleichviel, es sind Wunderwerke der Natur und als solche staunenswert. Staunen Sie einfach mit!
Mühlenpark von Rudaria
Im Banat am Fuße des Almăjului-Gebirges rauscht ein Gebirgsbach (Rudarica) durch eine Schlucht. Das Besondere: Auf einer Länge von 3 km stehen 22 Wassermühlen. Aber keineswegs nur als Freilichtmuseum, nein, sie sind noch heute in Benutzung, um Maiskörner zu Maismehl zu mahlen. Denn zu einem rumänischen Essen gehört traditionell eine Mamaliga, eine Art Polenta (Maisbrei).
Dreißig Familien teilen sich eine Wassermühle und verpflichten sich, dieses instand zu halten. Das Anrecht auf die Mühlennutzung wird vererbt. Erst wenn kein Angehöriger mehr das Erbe antreten kann oder will, erhält eine andere Familie die Chance auf Mitnutzung. Daher sind die Mühlen selbst heutzutage sehr begehrt.
Natürlich sind die Wassermühlen von Rudaria ein touristisches Ziel. An dem Tag, als wir dort sind, sind mit uns viele Familien unterwegs, um die Mühlen in Betrieb zu sehen. Gerne führen die Betreiber ihre Mühle vor, verkaufen säckeweise frisch gemahlenes Maismehl und andere selbst hergestellte Produkte wie Schnaps oder Selbstgehäkeltes.
Abgesehen von dem einzigartigen Wassermühlenpark, ist die Schlucht selbst eine Attraktion. Hohe Felsen ragen rechts und links des Flusses in die Höhe, der Gebirgsbach rauscht donnernd zu Tal, dazwischen immer wieder die Mühlen mit ihren Schleusen und Wasserrädern. Ein herrliches Stück Natur!
Endstation: Timisoara
Als wir die Kulturhauptstadt 2023 erreichen, die so viele namhafte Künstler hervorgebracht hat und in der 1989 die rumänische Revolution gegen den kommunistischen Diktator Nicolae Ceausescu ihren Anfang nahm, wähne ich mich plötzlich in Österreich. Die Architektur, die Straßen, die Atmosphäre - alles wirkt westlich und wenig rumänisch.
Selbst rumänische Speisehäuser sind schwer zu finden. Wir landen in einem von seiner Ausstattung her traditionell wirkenden Restaurant, doch die Küche bietet Convenience Food und erinnert eher an die Balkanküche. Nicht schlecht, aber eben nicht wirklich rumänisch.
Hier und da sind die Häuser fein herausgeputzt für die Ehre, Kulturhauptstadt zu sein. Wir erkennen, dass einiges getan wurde. An anderen Stellen muss dies erst noch erfolgen.
Was wir vermissen, ist die viele Kunst, die in dieser Stadt zu Hause sein soll. Zwar liegt unser Hotel direkt neben der Musik- und Theaterhochschule, sodass wir immerhin Zeugen von Klavierübungen und Gesangsstunden werden, aber draußen auf den Straßen ist nicht viel los. Vielleicht habe ich zu viel erwartet. Ich dachte an Straßenmusik und Straßentheater, an Kunst im öffentlichen Raum - an so etwas eben.
Immerhin entdecken wir noch ein buntes Mosaiksofa in einer Nebenstraße, eine Piano-Tastatur als Zebrastreifen, eine Staffelei mit Gemälde vor einer alten Haustür und ein Plakat mit einem "Baumengel".
Für Architektur-Liebhaber jedoch ist Timisoara ein Paradies. Zwischen Opernplatz und rumänisch-orthodoxer Kathedrale auf der Piata Victoriei (Siegesplatz) ist ein hübscher Park mit grünen Hecken und Blumenrabatten angelegt. Jede Menge Parkbänke laden zum Verweilen ein - wie wir es in ganz Rumänien immer wieder erlebt haben. Zu beiden Seiten der belebten Einkaufsstraße ziehen sich Fassaden prächtiger Jugenstilhäuser.
Während man an der Piata Unirii (Vereinigungsplatz) lauter schmucke Häuser mit Barockverzierungen aus dem 18. Jh. zu Zeiten Maria Theresias (Erzherzogin von Österreich) bewundern kann.
In der Stadt weht ein österreich-ungarischer Flair aus k.u.k.-Zeiten. Wir befinden uns spürbar an der Grenze zu Ungarn.
Hier endet also unsere Tour. In Timisoara haben wir Rumänien gefühlt bereits hinter uns gelassen.
Den gesamten Tourenverlauf können Sie in meinem Reisebericht "Von Bukarest bis Timisoara" nachlesen. Viele ebenso interessante Stationen mussten unerwähnt bleiben, sonst hätten sie den Rahmen gesprengt.
Schlusswort
Hiermit beende ich die Blogserie "Recherchereisen in Rumänien", die ich anlässlich meines Jubiläumsjahrs verfasst habe. Vor 20 Jahren begannen meine Recherchen zur Nicolae-Saga, vor 15 Jahren habe ich ihren ersten Band veröffentlicht. Beim Revuepassierenlassen war ich selbst ganz erstaunt, wie ausführlich ich dieses märchenhafte Land bereits bereist habe - und doch, dessen bin ich mir sicher, gibt es dort noch viele wundersame und interessante Ecken zu entdecken. Die genauen Tourenverläufe können Sie in meinen bebilderten Rumänien-Reiseberichten nachlesen.
Gedanklich bin ich ein Vierteljahr lang - vom 11. Juli, an dem der erste Beitrag zu dieser Serie entstand, bis zum heutigen Beitrag am 18. Oktober, mit dem ich die Blogserie abschließe - erneut durch Rumänien gereist. Alles hat mir wieder vor Augen gestanden, als wäre ich erst gestern dort gewesen. Und ja, die Sehnsucht hat mich abermals gepackt. Manche RO-Freunde sprechen diesbezüglich von einem Virus, der sich einnistet und in Abständen immer wieder aufflammt. Das kann ich voll und ganz bestätigen.
Etliche dieser RO-Freunde sind unter den Machern des Rumänien-Adventskalenders zu finden. Auch dieser feiert dieses Jahr ein Jubiläum. Es gibt ihn seit 20 Jahren. Pünktlich zum 1. Dezember 2025 wird er wieder erscheinen - und zwar zum letzten Mal. Mit ihm bin ich von seiner ersten bis zur letzten Stunde einen gemeinsamen Weg gegangen, denn er diente mir in meinen Anfängen als wertvolle Informationsquelle. Ab 2012 habe ich dann regelmäßig Beiträge für ihn geschrieben und später einige der RO-Freunde auf den damals regelmäßigen Treffen im Thüringer Wald kennengelernt. Die Liebe zu Rumänien hat Menschen aus allen Regionen des Landes miteinander vereint.
Und weil der Rumänien-Adventskalender ein fester Bestandteil während meiner Schreibtätigkeit war, werde ich meinen letzten Beitrag genau dieser Verbindung widmen:
Die Nicolae-Saga und der Rumänien-Adventskalender - ein gemeinsames Thema, zwei unterschiedliche Wege, dieses wundervolle und vielseitige Karpatenland einer Öffentlichkeit vorzustellen.
Die nächste Blogserie folgt also in Kürze. Darin werde ich Ihnen meine Beiträge zum Rumänien-Adventskalender präsentieren. Nach einer kurzen Pause, in der ich in der Zwischenzeit gelesene Bücher kommentiere, wird es wieder jede Menge Rumänienbilder zu schauen geben.
Lesen Sie aus dieser Blogserie auch:
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 1 (Donau-Kreuzfahrt): Von der Cazanenge bis zum Donaudelta
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 2 (Kultur- und Wanderrundreise): "Karpaten, Klöster und Kirchenburgen"
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 3/1 (Studienrundreise): "Ausführlich durch das Land der Vielfalt"
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 3/2 (Studienrundreise): "Ausführlich durch das Land der Vielfalt"
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 4/1 (Manors & Wines): "Herrenhäuser und Weine der Walachei"
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 4/2 (Manors & Wines): "Herrenhäuser und Weine der Walachei"
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 5/1 (Wundertüte RO): Wundertüte Rumänien
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 5/2 (Wundertüte RO): Wundertüte Rumänien
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 5/3 (Wundertüte RO): Wundertüte Rumänien
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 6: (Hauptstadtbesuch): Bucuresti/Bukarest
> Recherchereisen in Rumänien - Teil 7: (Walachei und Moldau): Bucuresti - Iasi
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