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Wer bestimmt den neuen Buchmarkt?

WEr bestimmt den neuen Buchmarkt?

Wer bestimmt den neuen Buchmarkt? - Bildmotiv: pixabay

Muss ich als Autorin eigentlich jedem Trend im Buchmarketing folgen?

Diese Frage stelle ich mir des Öfteren, sobald sich die Marketingstrategen wieder etwas Neues haben einfallen lassen, um dem  Produkt "Buch" mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.

Es gilt, potentielle Leser zu gewinnen. Das will jeder Autor, ist doch klar! Aber muss ich deswegen jeden Trend mitmachen? Muss ich wirklich jeden Weg, der zu mehr Lesern führt, ausprobieren?

TikTok heißt die neue Taktik

Eines steht jedenfalls fest: Bookstagram (Buch-Community auf Instagram) war gestern.

Und TV-Formate wie "Das literarische Quartett" oder "Druckfrisch" sind so was von letztes Jahrhundert! Sie erreichen einen verschwindend geringen Anteil der potentiellen Leserschaft - um nicht zu sagen: nur noch die Alten (wozu ich mich inzwischen selbst zählen darf.)

 

Tik Tok heißt die neue Taktik. Bedeutet: Bestseller werden jetzt auf #BookTok gemacht!

Jedenfalls stehen auf der Spiegel-Bestsellerliste neuerdings Bücher, die per Video auf TikTok vorgestellt, besprochen und fleißig geteilt wurden. Die Verlage finden’s großartig und sind gleich auf den Karren aufgesprungen.

 

Laut einem aktuellen Artikel auf Literaturcafe.de wurde 2023 im Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse sogar ein entsprechender Buchpreis – der BookTok-Award für gleich mehrere Kategorien geschaffen; nachzulesen auf "Zeit Online".

 

Ist doch klasse, oder? Also nichts wie hin auf dieses mega angesagte Videoportal, um das eigene Buch anzupreisen!

 

Leider gibt es da einen klitzekleinen Haken. Und zwar derselbe, der auch schon Bookstagram für meine Bücherserie unbrauchbar macht: Es sind nämlich mehrheitlich junge Frauen, die sich auf diesen Plattformen tummeln. Und die liken nun mal vorwiegend Posts und Reels im Genre Fantasy oder Young Adult.

 

Da fällt selbst die Vernetzung mit anderen Autoren schwer. Die Fantasy Community ist nämlich riesig und daher ziemlich dominant. Sogar in realen Foren wie der Berliner Buchmesse BuchBerlin wird alles andere - im wahrsten Sinne des Wortes - an den Rand gedrückt. Ein paar Krimi-Autoren und Liebesroman-Autorinnen haben sich zusammengetan und kämpfen tapfer um ein bisschen Sichtbarkeit im Schatten der "Herr der Ringe" oder "Tribute von Panem"-Derivate.

Der Rest fällt so gut wie hintenüber.

 

Tja, damit steht die Nicolae-Saga so was von außerhalb des Beuteschemas der Bookstagrammer & Co.

Auf TikTok wird es nicht groß anders sein.

Meine Zielgruppe – sofern ich denn überhaupt eine habe – muss ich woanders suchen. Nur wo? Das ist die Frage aller Fragen!

Sobald ich deren Tummelplatz ausfindig gemacht habe, bin ich gern bereit, Zeit, Geld und Energie ins zielgerichtete Marketing zu stecken. Denn alles andere ist vergebene Liebesmüh. So viel steht nach 14 Jahren Berufserfahrung fest.

fragwürdige Lockmittel im Buchmarketing

Trotzdem folge ich interessiert einigen Jungautoren auf Instagram. Ich finde es faszinierend, wie eifrig und kreativ sie ihre Bücher bewerben. Immer wieder lassen sie sich Neues einfallen, um aus der Masse hervorzustechen. Bis … tja bis andere die Idee aufgreifen und die neue Strategie in der Tippliste eines jeden Buchmarketingberaters auftaucht.

 

Da ist zum Beispiel die Sache mit den Goodies. Früher sagte man dazu „Werbegeschenke“. Beim Kauf eines Buches gibt es Lesezeichen, Postkarten und anderes Gedöns umsonst dazu. Sogar Kaffeebecher.

Vor ein paar Jahren lagen bei den jungen Frauen „Buchkerzen“ absolut im Trend. Bis heute weiß ich nicht, was ich mir darunter vorzustellen habe. Aber vielleicht ist das auch längst kalter Kaffee.

 

Oft schon habe ich mich gefragt, ob so ein Goodie tatsächlich jemanden animiert, ein Buch zu kaufen. Und falls ja, was sagt das über den Leser aus?

Ich jedenfalls kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Denn: entweder ein Buch interessiert mich, dann kaufe ich es, oder eben nicht. Wieso sollte ein Kaffeebecher oder eine Buchkerze (was auch immer das sein mag) mich dazu verlocken?

Abgesehen davon, dass diese Goodies dem Autoren eine Stange Geld kosten, finde ich diese Art der Köderung gelinde ausgedrückt: fragwürdig.

 

Falls Sie darüber nur müde schmunzeln können, sollte ich vielleicht ergänzen, dass einige Autoren zudem lustige Gewinnspiele organisieren, bei denen man nichts Geringeres als ein Lesegerät für eBooks oder sogar ein Tablet gewinnen kann! - Ja, geht's noch???

 

Was mich beruhigt: Die ersten Autoren geben inzwischen ehrlich zu, dass das Ganze Mumpitz ist. Für die meisten bedeutet es nämlich: außer Spesen nichts gewesen. Man kann solche Methoden also getrost von der Liste "Marketingtipps für Bücher" streichen. Wie so vieles im Übrigen! Aber dazu ein anderes Mal.

Würzige Romanzutaten

Naja, die Jungautoren probieren halt aus, was funktioniert. Und da ist Bookstagram geradezu eine Fundgrube an Ideen. Allerdings wimmelt es dort von Anglizismen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Wie oft muss ich solche Begriffe erst einmal googeln, bis ich kapiere, wovon die Rede ist. Und das obwohl ich des Englischen einigermaßen mächtig bin.

 

Neulich zum Beispiel, da ging es im Beitrag einer Jungautorin, die im Genre Fantasy unterwegs ist, um „Spice“. Und ich dachte so bei mir: Was zum Kuckuck haben Gewürze in einem Fantasy-Roman verloren? Oder hat sie vielleicht parallel ein Kochbuch geschrieben?

Seltsam war nur, dass ihre Autorenfollower voll auf das Thema abfuhren und ihren Beitrag lang und breit kommentierten, wie sie das selbst so mit den "Gewürzen" handhaben. Bis eine von ihnen von „spicy scenes“ sprach. Da endlich dämmerte es mir. Würzige Szenen – ahaaa… so nennt man das heute also. Nur warum?

 

Auch das habe ich inzwischen gelernt: Diese nette Umschreibung für Sexszenen wird benutzt, damit die Bücher bei Google, Amazon & Co nicht auf dem Index landen!!! Mr. Algorithmus könnte etwas dagegen haben und DEN – das weiß inzwischen ja jeder – sollte man sich tunlichst gewogen halten. Er ist nun mal der Oberboss, dem sich alles und alle zu beugen haben. Er allein entscheidet, was Top ist oder Flop. Das wiederum kann sich jederzeit aus heiterem Himmel ändern.

Mein Fazit

Nee, Leute, echt nicht. Für diese „schöne neue Welt“  bin ich einfach zu alt. Und soll ich Ihnen was sagen? Ich bin echt froh darüber.

Macht man, ihr jungen Hühner. Tobt euch aus. Und habt hoffentlich Erfolg, damit all eure  Zeit und Energie, die ihr ins Social Media-Marketing investiert, nicht vergebens ist.

 

Und an die TikToker unter euch: Macht ordentlich Videos für eure Books. Aber beeilt euch! Schon morgen könnte ein neuer Shit daherkommen und dann gehört auch Tik Tok zum kalten Kaffee.

 

Ich bleibe derweil der schönen alten Welt verhaftet und schreibe in slow motion meine old school Newsletter und Blogbeiträge. Dann wird es eben nichts mit einem BookTok-Award. Damit kann ich sehr gut leben.


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