Wie alles begann


O D E R :  D A S   A B E N T E U E R   S C H R E I B E N

 

Wie ich dazu gekommen bin, die Nicolae-Saga zu schreiben?

Diese Frage lässt sich so schnell gar nicht beantworten. Es gab weder ein Schlüsselerlebnis noch einen inspirierenden Moment.

 

Fakt ist, dass ich mit den Klassikern der Weltliteratur aufgewachsen und wahnsinnig gerne in deren Welten eingetaucht bin. Ich war ein sogenanntes Schlüsselkind. Nach der Schule erwarteten mich Oliver Twist und Sherlock Holmes, später auch Raskolnikov und die Buddenbrooks. Fakt ist auch, dass ich dem Schreiben zwar nicht abgeneigt war, aber niemals auf die Idee verfallen wäre, einen über 500 Seiten starken Roman zu schreiben, geschweige denn eine 7-bändige Serie.

 

Doch eines Tages ist der kleine Nicolae – damals noch Nicholas – ungefragt in mein Leben getreten und hat mich nicht mehr losgelassen. Immer tiefer hat er mich in seine Welt gezogen und an Freud und Leid seines Lebens teilhaben lassen. Es war der Beginn eines großen Abenteuers. Dieses führte mich in das mir literarisch vertraute viktorianische England, aber auch in das mir damals noch völlig unbekannte Rumänien.

 

Den Stift geführt haben von Anfang an meine Romanfiguren, ich war nur ihr Instrument. Und das war gut so. Warum? Weil sie alle aus ihrem Selbstverständnis heraus agierten und damit die Handlung in eine Richtung vorantrieben, wie ich sie mir gar nicht hätte erdenken können. So war alles schon geschrieben, bevor ich mit der Nachrecherche begann. Wie durch ein Wunder passte alles zusammen. Es gab nicht eine Szene, die ich wieder hätte streichen müssen. (Puh!)

 

Natürlich war trotzdem eine Unmenge an Recherche notwendig, weil ich nicht nur von einer vergangenen Epoche erzähle, sondern zudem von zwei Kulturräumen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Es geht dabei nicht nur um ein paar historische Daten und modische Details. Es geht um das, was das Leben zu der Zeit und an dem Ort wirklich ausmachte:

Wie haben die Menschen gedacht und gefühlt? Von welchen gesellschaftlichen, moralischen und religiösen Werten wurden sie geprägt? Wie sah die Körperpflege aus? Was kam auf den Tisch? Wie roch und schmeckte diese Zeit?  Welche Gassenhauer waren gerade angesagt? Welche Künstler machten von sich reden? Welche moderne Errungenschaft verblüffte die Welt? Wovon träumten die Leute und was machte ihnen Angst?

 

Zusammen mit Nicolae habe ich das alles erlebt. Den Menschen, denen er auf seinem Lebensweg begegnete, stand ich selbst gegenüber. Sie tauchten einfach auf, ich musste sie nur noch beschreiben. Nicht eine einzige Figur habe ich entwerfen, keinen Plot skizzieren müssen. Denn das hätte aus dieser lebendigen Familiengeschichte, die auch eine Geschichte über das Menschsein ist, eine künstliche Konstruktion, ein bloßes Produkt für eine fest umrissene Zielgruppe auf dem Büchermarkt gemacht. Genau das wollte ich nicht!

 

Ich wollte meine Romanwelt mit Leben füllen und nicht mit Regeln. Ich wollte mit dem Herzen schreiben, nicht mit Schablonen. Ich wollte für alle Menschen schreiben, die sich gerne niveauvoll unterhalten und überraschen lassen. Und ich wollte mein Werk so schreiben, wie ich es selber gerne lesen würde. Zufrieden darf ich feststellen: Es ist mir gelungen!

 

Die Nicolae-Saga ist mit Band 7 abgeschlossen. Ich habe die Geschichte der Familie da Laruc zu Papier gebracht, es ist ganz die ihre. Es war mir eine Ehre, an ihrem Leben teilhaben zu dürfen. Begleiten werden sie mich weiterhin.